Archiv für die Kategorie ‘Customer Experience’

Customer Experience, Design Thinking und Scrum: Wir führen die Themenstränge zusammen – Tag 5 der Stimmt Konferenz

03. September 2010 von michael.svoboda

Die letzten vier Tage waren abwechslungsreich und brachten viele neue Erkenntnisse. Heute galt es, diese greifbar und für unsere Customer Experience Projekte “nutzbar” zu machen.

Spannende Ansätze aus unseren Schwerpunktthemen der Konferenz:

Design Thinking – die Methoden und Prozesse nutzen, um möglichst viele unterschiedliche strategische Optionen zu erarbeiten: Reframen (siehe Tag 4), wenn man festgefahren ist; “Darkhorse Prototypen” erstellen, um neues “Gelände” auszuloten und sich mit “I like” und “I wish” Feedback in die kreative “Flow”-Zone katapultieren.

Übersicht Design Thinking Prozess und Methoden

Übersicht Design Thinking Prozess und Methoden

Scrum – die bewährten Projekt Management Methoden nutzen, um schnell Ergebnisse zu erhalten und Risiken minimieren zu können: Den Backlog und die MoSCoW-Priorisierung, um effektiv ans Ziel zu kommen; mit dem Planning Poker Aufwände und Risiken für Aufgaben oder Projekt-Schritte schätzen; dank Timeboxing und Akzeptanzkriterien garantiert umsetzbare Ergebnisse erhalten und mit User Stories Anforderungen und “Experience Deliverables” beschreiben.

Am Schluss waren wir uns einig: Wieder hat sich die Stimmt Konferenz gelohnt und wir sind unserem Ziel «Customer Experience Pioniere» einen wichtigen Schritt näher gekommen.
Wir freuen uns schon sehr, unser gewonnenes Wissen bald einsetzen zu können.

Flipchartsammlung

Fünf Tage Konferenz haben einen ganzen Raum mit Flipcharts gefüllt

Der Prototyping-Berg – von spektakulären zu realistischen Ideen – Tag 4 der Stimmt Konferenz

02. September 2010 von gudrun.moeller

Bernhard Schindelholzer begleitete uns heute über den “Prototyping-Berg”: Übungen zur kompletten Öffnung des Gestaltungsraums konvergieren im Laufe des Tages zu realistischen Konzepten.
Nachdem wir gestern Alternativen zu heutigen Optionen ausgearbeitet hatten, haben wir heute
anhand verschiedener Innovationstechniken verrückteste Ideen in den Einzelteams entwickelt und einzelne zu Konzepten ausgesponnen.

Prototyp Kinderdorf

Prototyp des neu gestalteten Kinderdorfs

Prototyp Abenteuerrucksack

Prototyp des «Abenteuer-Rucksacks»

Eine der Innovationstechniken war das (Re-)Framing mit folgenden Schritten:
1. Annahmen identifizieren
2. Annahmen in Frage stellen
3. Annahmen verändern

Unglaublich wie viele wilden Ideen aus dieser kurzen Phase entstanden sind – viele eher utopisch für unsere Fallstudie. Die Phase des “integrierenden” Prototypen hat uns wieder auf den Boden der Tatsachen geholt, wir mussten anhand dreier Kriterien einen finalen, realistischen Prototypen erstellen.
Dank Roger Martin’s Konzept vom Buch “The Opposable Mind” (kurze Zusammenfassung: Bringe das Beste von mehreren Ideen zusammen zu einer “Super-Idee”) haben wir Aspekte der “wilden” Ideen mit den ersten Konzepten fusioniert und zu einem realistischen Konzept zusammengefügt – und diese allen Gruppen und dem Geschäftsführer des Hotel Ucliva vorgestellt.

Konzept Enkliva

Konzept Enkliva mit einem speziellen Angebot für Grosseltern mit Enkelkindern

Ganz spannend und lehrreich ist die Reflektion unserer Ideen aus der Sicht des Geschäftsführers: Er war sehr offen mit uns und hat klar aufgezeigt, was realistisch ist, welche Implikationen entstehen und welche Aspekte er aufgreifen und pilotieren wird – Ideen mit geringem Aufwand für sofortige Umsetzung sowie Ideen mit planerischem Aufwand (ansonsten geringe Investionen) für die langfristige Strategie – Yeah!

Customer Experience meets Design Thinking – Tag 3 der Stimmt Konferenz

01. September 2010 von Stimmt AG | 1 Kommentar

Den dritten Konferenztag haben wir ganz dem Thema “Create” gewidmet. Bernhard Schindlholzer (http://www.customer-experience-labs.com/) stiess zu uns, um uns in dieser zentralen Phase zu begleiten und zu unterstützen.
Von ihm haben wir eine kurze Einführung zu “Design Thinking” erhalten – ein Vorgehen, um Probleme zu lösen und Innovationen zu gestalten. Dieses haben wir auf unsere Fallbeispiele angewandt.

Im Gegensatz zum “Business Thinking” werden im “Design Thinking” zu den bestehenden Optionen (induktives/deduktives Denken) Alternativen (abduktives Denken) entwickelt. Ideen entstehen aus tiefem Kundenverständnis und während des Prototypings.

Was uns besonders geblieben ist:

„Let it happen“: Die Atmoshpäre muss Ideen erlauben und jede Einschränkung vermeiden. Für uns eher ungewöhnlich war es, die Ratio in dieser Phase völlig auszuschalten und alle auch noch so aussergewöhnlichen Ideen einzubringen. Beim Brainstorming haben wir trainiert, uns aktiv auf die guten Aspekte einer Idee zu konzentrieren, indem wir Ideen mit den Worten “Ja, und…” weitergesponnen haben.

„Dance with Ambiguity“: In dieser Phase ist noch nicht immer alles konkret greifbar und die Anwendbarkeit von Ideen scheint wenig realistisch. Doch genau dies ist der Punkt: Es gilt, den gesamten Gestaltungsraum auszunutzen.

„Experiential Prototyping“: Die spannendsten Ideen wurden als Rollenspiele und mit greifbaren Mock-ups geprototypet, und später vorgestellt. Im Design Review reflektierten wir die Ideen mit „I like…“ und „I wish…“ und fokussierten dadurch auf das Positive.

Nachdem wir uns heute vor allem aufs „Create“ konzentriert haben, werden wir morgen in Richtung „Verify“ und „Integrate“ weiterarbeiten.

Rollenspiel

Darstellung einer Interaktion im Rollenspiel

Experential Prototype

Prototyp eines Self-Service Food/Drink Services

Customer Experience – Begriffe, Messung, Vorgehen. Tag zwei der Stimmt Konferenz

01. September 2010 von lorenz.ritzmann | 1 Kommentar

Der zweite Tag unserer Konferenz im Hotel Ucliva galt den Themen „Performance Measuring“ und „Agile & UCD.“

Zu Beginn haben wir Definitionen für Begriffe aus der Customer Experience Domäne verglichen und eine Ordnung zwischen den Begriffen hergestellt. Der aktuelle Zwischenstand der Definitionen, sowie deren Zusammenhänge sind auf dem folgenden Foto festgehalten:

Definitionen CX Begriffe
Besondere Aufmerksamkeit haben wir der «Target Experience» gewidmet. Diese steht für das anzustrebende Erlebnis an den jeweiligen Touchpoints. Um Massnahmen abzuleiten, die zur «Target Experience» führen und um diese überprüfen zu können, werden Ziele definiert, die folgenden Kriterien genügen müssen:

• Gute Ziele sind wertorientiert.
• Lösungsneutralität: Der Fokus liegt darauf, was geändert werden soll, nicht wie etwas geändert werden soll.
• Werden mehrere Ziele formuliert, sind diese entweder widerspruchsfrei oder untereinander gewichtet.
• Gute Ziele sind spezifisch genug formuliert, um umgesetzt werden zu können.
• Die Zielformulierung kann Top Down sein, die Ziele müssen aber von allen betroffenen Personen in einer Organisation mitgetragen werden.
• Die Ziele sollen realistisch sein.
• Die Umsetzung der Ziele soll in einer vorher festgelegten Zeit stattfinden.
• Gute Ziele sind messbar.

Die Messung der Zielerreichung einzelner Massnahmen ermöglicht ein allfälliges Gegensteuern und hat somit eine grosse Bedeutung. Die Aussagekraft hängt im Wesentlichen von der Güte der Messung ab, der drei Forderungen zu Grunde liegen:

• Objektivität – die Messung ist nachvollziehbar und unabhängig vom Testanwender.
• Reliabilität – wiederholte Messung liefert das gleiche Resultat.
• Validität – der Test misst, was er zu messen vorgibt.

Weitere Diskussionen werden das Bild vervollständigen und wir laden das Customer Experience Network ein, sich an der Diskussion zu beteiligen.

Am Nachmittag haben wir uns mit der Softwareentwicklungsmethode Scrum auseinandergesetzt, mit der wir bereits in etlichen Projekten in Berührung kamen. Eindrücklich war die Erkenntnis, wie viel Potential die agile Herangehensweise beinhaltet.
Der Fokus liegt auf dem gemeinsamen Streben eines kompetenten Teams, ein Produkt mit möglichst grossem Nutzen zu entwickeln. Ein schlankes Vorgehen sorgt dafür, dass Ressourcen wertschöpfend eingesetzt werden. Dies kommt auch im «Agile Manifesto» zum Ausdruck:

Individuals and interactions over processes and tools
Working software over comprehensive documentation
Customer collaboration over contract negotiation
Responding to change over following a plan

Eine ausführliche Beschreibung von Scrum sprengt an dieser Stelle den Rahmen. Hier gibt es aber eine kurze Einführung.
Erwähnenswert ist die Erkenntnis, wie wichtig eine klare und kluge Rollenverteilung ist, damit Scrum seine volle Wirkungskraft entfalten kann. Das gesamte Scrum-Vorgehen sowie Punkte aus unserer Diskussion sind auf diesem Plakat abgebildet:
Scrum Plakat mit Diskussionsnotizen

Als Ausgleich für die Kopfarbeit haben wir noch eine Wanderung durch die schönen Bündner Berge unternommen und genossen den hereinbrechenden Abend beim Grillieren (die Feuerstelle am Fluss können wir übrigens weiterempfehlen).
Grillieren in Brigels

Nun freuen wir uns auf Bernhard Schindlholzer, der uns die nächsten zwei Tage unterstützen und in verschiedenen Methoden der Create-Phase anleiten wird.

Customer Experience Methodenset schärfen – Stimmt Konferenz im Hotel Ucliva

30. August 2010 von Helmut Kazmaier | 1 Kommentar

Stimmt Konferenz AgendaStimmt ist im Hotel Ucliva in Waltensburg eingezogen, um eine Woche lang das Vorgehen und Methodenset für Customer Experience Projekte zu reflektieren und weiter zu entwickeln.

Das Spezielle daran ist, dass unsere Umgebung nicht nur Wohn- und Arbeitsort, sondern zugleich Studienobjekt ist. So können wir, sozusagen im Zeitraffer, an einer realen Fallstudie arbeiten, deren Teil wir selber sind.
Wir vermitteln Grundlagen bzw. frischen diese auf, wenden dieses Wissen direkt an und reflektieren anschliessend die Methoden. Davon versprechen wir uns nicht nur inhaltliche Erkenntnisse für unsere Fallstudie, sondern besonders auch auf der Meta-Ebene für unsere Methoden.

Die Ausgangslage haben wir in einer kleinen Vorstudie mittels Telefoninterviews, Fragebogen sowie Dokumentenrecherche erhoben, so dass wir uns während der Konferenz hauptsächlich auf die Auswertung und Entwicklung von Verbesserungsvorschlägen konzentrieren können.

Agenda MontagDer heutige Montag stand im Zeichen des Verstehens. Wir haben das Material aus der Vorstudie gesichtet und daraus Rückschlüsse auf die Customer Journey unserer Zielgruppen gezogen.

Exemplarisch haben wir einzelne Ereignisse in Rollenspielsituationen überführt und anschliessend gemeinsam analysiert. Daraus haben sich die Ansatzpunkte ergeben, die wir nun in den folgenden Tagen weiter verfolgen und mit Lösungsvorschlägen ausarbeiten werden.

Das für uns wichtigste Element des Tages, ist vermutlich die Reflektion über die Methoden.
Das Rollenspiel haben wir in dieser Form so noch nicht eingesetzt und wir waren selber gespannt, wie sich das «anfühlt».

Der Spass, den wir dabei hatten, haben wir mit Sicherheit als positiv empfunden. Die kritische Auseinandersetzung im Nachfeld hat einige Erkenntnisse, aber auch Fragen zu Tage gefördert.
Einige Beispiele:

  • Das Rollenspiel ist sehr gut als Kommunikationsmittel geeignet. Vor allem wird durch die plastischen Schilderungen wird das Bewusstsein für gewisse Zustände geweckt.
  • Das Rollenspiel bietet eine gute Möglichkeit die Interaktionen von Kunden über verschiedene Kanäle hinweg zu illustrieren.
  • Die Auseinandersetzung mit den Fakten für die Erarbeitung der Szenen vermittelt einen guten Eindruck von den Personas.
  • Nicht nur die Interaktion, sondern auch der Kontext, wie Ziele, Motive, Einstellungen oder Erwartungen der Akteure müssen vermittelt werden.
  • Schauspieler brauchen Zeit, sich auf ihre Rollen vorzubereiten, um auf Veränderungen reagieren zu können.
  • Ist das Rollenspiel zur Darstellung der Ist-Situation notwendig oder reicht eine reine Erzählung? Liegt die Stärke nicht vielmehr in der Möglichkeit des Dialogs zur iterativen Verbesserung einer Interaktion?
  • Gibt es nicht eine grosse Gefahr, dass Fakten durch die Interpretation bzw. individuellen Fähigkeiten der Schauspieler verzerrt werden?
  • Wie gross ist der Freiheitsgrad der Schauspieler? Braucht es einen Regisseur bzw. ein genaues Skript?

Dies sind bei Weitem noch nicht alle Punkte. Diese zeugen aber davon, dass wir reichhaltigen Stoff für weitere Diskussionen haben, an deren Ende hoffentlich ein gutes Bild von der Methode, dem Einsatzzweck und der genauen Ausführung steht.

Wir werden sicher in einem der nächsten CEN-Xchanges diese und weitere Methodendiskussionen aufgreifen, von unseren Erfahrungen und Erkenntnissen berichten und zur Diskussion stellen.

Natürlich kann die Diskussion auch bereits an dieser Stelle über die Kommentarfunktion eingeleitet werden. Wir freuen uns auf den Austausch.

Nun sind wir gespannt auf die folgenden Tage, über die wir ebenfalls auf unserem Blog tagesaktuell berichten werden.

Weitblick in Waltensburg

Für Weitblick aus unserem Seminarraum ist gesorgt.

Mit gutem Service Design zu gutem Customer Experience

30. Juli 2010 von Helmut Kazmaier | 1 Kommentar

What's the Secret?What’s the Secret?:
To Providing a World-Class Customer Experience
John R. DiJulius III

John Wiley & Sons, Inc. Hoboken, New Jersey, 2008. Bei Google Books.

Executive Summary

DiJulius beschreibt in seinem Framework wie ein Unternehmen dazu kommt, dass seine Kunden ein «World-Class Customer Experience» haben. Die Ausführungen beziehen sich dabei hauptsächlich auf den Aspekt des Service Design mit einem deutlichen Fokus auf die Hotellerie und das Gastgewerbe.


Buchzusammenfassung
(PDF, 160KB, Deutsch)

Struktur des Buches

Das Buch gliedert sich in zwei Teile mit insgesamt 14 Kapiteln.
Den ersten Teil widmet DiJulius der Bedeutung von «Customer Service». Er führt aus, dass Firmen mit hoher Kundenzufriedenheit erfolgreicher sind. Er beschreibt weiterhin die negativen Auswirkungen mangelnden Services und Differenzierung über den Preis. Eine kurze Liste von «World-Class Service Sins» sowie ein Hinweis auf sein Instrument C-SAT (Customer Service Aptitude Levels) beschliessen den ersten Teil.

Chain of Commandments

Der zweite Teil beschreibt in zehn Kapiteln das Framework «Chain of Commandments»:

  1. Service Vision (Kapitel 5):
  2. World-Class Internal Culture (Kapitel 6)
  3. Non negotiable Experiential Standards ( Kapitel 7)
  4. Secret Service System (Kapitel 8 )
  5. Training to Provide a World-Class Customer Experience (Kapitel 9)
  6. Implementation and Execution (Kapitel 10)
  7. Zero Risk (Kapitel 11)
  8. Creating an Above-and-Beyond Culture (Kapitel 12)
  9. Measuring Your Customer’s Experience (Kapitel 13)
  10. World-Class Leadership (Kapitel 14)

Wie das Buch Customer Experience beleuchtet

DiJulius versteht das Kundenerlebnis als direkte Folge von Customer Service. Auch wenn er bei seinen sechs Komponenten der Customer Experience noch verschiedene andere Aspekte aufzählt, handelt das Buch doch weitestgehend von der direkten Interaktion der Mitarbeitenden mit den Kunden und allenfalls noch den Abläufen im Hintergrund, die diese unterstützen. Er führt dabei viele Beispiele aus Hotels, Restaurants und seinem eigenen Wellness Spa an.

Eine genaue Definition, was genau er unter Customer Experience versteht, gibt DiJulius nicht. Die Begriffe Customer Service, Customer Experience, Customer Satisfaction und Customer Loyalty werden in verschiedenen Wirkungszusammenhängen erwähnt oder teilweise synonym verwendet. Gleichwohl gibt DiJulius eine simple Formel an, mit der man Customer Experience messen kann:

Reality – Expectation = Customer Experience

Nach Ansicht von DiJulius reicht es nicht, Kunden zufrieden zu stellen, sondern man muss mit «World-Class» Service und «Above-and-Beyond» Erlebnissen Kunden begeistern, um deren Loyalität zu gewinnen. Dabei spielen vor allem die nicht geäusserten Bedürfnisse eine grosse Rolle, die es zu antizipieren und bedienen gilt.

Was man von diesem Buch lernen kann

Das Framework, das quasi als Kochrezept für eine «World-Class» Customer Experience Firma dienen soll, wird diesem Anspruch nicht ganz gerecht. Allerdings bietet das Buch einige Anleitungen, Methoden und Beispiele, wie man den Kundenservice in einem Unternehmen verbessern kann. Neben etlichen konkreten Tipps, die vor allem in im Hotel- und Gastgewerbe 1:1 anwendbar sind, gibt das Framework auch einige gute Impulse für andere Branchen, das eigene Unternehmen aus Sicht der Kunden neu zu erfinden. Besonders spannend finde ich die Aspekte des Kulturwandels und wie dieser innerhalb des Unternehmens durch eine geschickte Vermarktung der Service Vision und Anerkennung entsprechender Leistungen seitens der Mitarbeiter unterstützt werden kann.

Persönliche Bewertung und Kritik

Würde der Titel lauten: Wie ziehe ich ein 5 Sterne Hotel auf, würde mir das Buch bedeutend besser gefallen. So bleiben in Bezug auf Customer Experience noch einige Fragen offen, was schon mit der Definition beginnt.
DiJulius zitiert Pine und Gilmore und ihr Buch The Experience Economy,  bewegt sich mit seinem Buch aber eher in der Service Economy: man muss einfach besseren Service als die Konkurrenz bieten, die Extra-Meile gehen und «Above-and-Beyond» Gelegenheiten nutzen. Obwohl DiJulius an der einen oder anderen Stelle darauf aufmerksam macht, dass dies viel harte Arbeit bedeutet, klingt vieles sehr einfach bzw. wird nur oberflächlich behandelt. So lautet seine Anleitung wie man zu einer Service Vision kommt ungefähr so: «Das Management muss sich intensiv zusammensetzen und die Vision erarbeiten. Und wenn sie weniger als 30 Stunden dafür brauchen, ist es vermutlich nur oberflächlich und unbrauchbar» (S. 91).

Wie viele Bücher aus dem angelsächsischem Raum kommt mir auch dieses etwas zu lang vor und es strotz vor Wiederholungen. Obwohl ich Anekdoten grundsätzlich ganz spannend und zur Illustration geeignet finde, sind es dann für meinen Geschmack doch ein paar zu viele. Vor allem weil es sich häufig um Steak-House X  oder Pizzeria Y handelt und der Anwendungskontext schon sehr spezifisch auf Gastronomie ausgerichtet ist.

Den ersten Teil finde ich deutlich zu schwach, obwohl der Versuch, zunächst Glaubwürdigkeit aufzubauen und die Wichtigkeit des Themas zu verdeutlichen mir durchaus sinnvoll erscheint. Leider bleibt der Beleg trotz einiger seriöser Quellen und Studien doch eher schwach und voller Behauptungen, von denen ich auch etlichen intuitiv zustimmen würde. Aber hier hätte ich mir doch etwas mehr Tiefgang gewünscht.

Als Anregung zu kundenorientiertem Service Design taugt das Buch allemal und bietet mit seinen vielen Praxisbeispielen auch einen entsprechenden Mehrwert. Die ein oder andere Methode wie der «Customer Experience Cycle Workshop» (s.187) sind spannend und nützlich. Das Buch hat einen deutlichen operativen Fokus und richtet sich vermutlich eher an kleinere Unternehmen, auch wenn häufiger Firmen wie Disney oder Ritz-Carlton zitiert werden.

Empfehlung

Aufgrund des operativen Fokus würde ich das Buch vor allen Personen empfehlen, die direkt für die Gestaltung von Kundeninteraktionen verantwortlich sind.  Für HR Abteilungen mag das Thema des Kulturwandels spannend sein. Die vielen Beispiele und Anekdoten bieten Stoff für all diejenigen, die andere überzeugen wollen, dass Kundenorientierung und Kundenservice wichtige Themen sind, die für den nachhaltigen Erfolg von dienstleistungsorierntierten Unternehmen essentiell sind.


Buchzusammenfassung
(PDF, 160KB, Deutsch)

Customer Experience Network eXchange im Juli – Mit gutem Prozess-Design das Kundenerlebnis verbessern und Kosten senken

12. Juli 2010 von Helmut Kazmaier | 1 Kommentar

Nicole Knuchel hat mit ihrem Fallbeispiel von Swisscom eindrücklich gezeigt, wie man mit kundenzentriertem Prozess-Design nicht nur das Kundenerlebnis verbessern, sondern auch durch die gewonnene Effizienz Kosten sparen kann. Die nachfolgende Diskussion hat verschiedenste Herausforderungen in diesem Zusammenhang aufgebracht, von denen das Thema «Incentivierung» als besonders wichtig und herausfordernd empfunden wurde.

«CX» Fundstücke

::Die digitale Visitenkarte

In der neuen digitalen Welt der sozialen Netze mutet es beinahe als Anachronismus an, Visitenkarten aus Papier zu tauschen. Mit Poken soll der Austausch von Adressdaten vereinfacht werden. Durch Berühren der Pokens wird der Kontakt hergestellt und auf der Poken-Webseite können dann die freigegebenen Adressdaten angesehen und verwendet werden. Besonders schön ist die Timeline, die den zeitlichen Verlauf der geschlossenen Kontakte darstellt.
Link zu Webseite: www.poken.com

::Broschüre für Hörgeräte

Als Kundenbindungsmassnahme hat ein Hörgerätehändler eine kleine Broschüre entwickelt, die auf viele Fragen im Alltag von Hörgerätnutzern eine Antwort bietet bzw. auf den Service des Händlers verweist und damit Hilfe anbietet.

::Der Internet Hase

Internet ganz neu erleben kann man mit Nabaztag. Einm Gerät in Form eines stilisierten Hasen, das verschiedene Informationen aus dem Internet vorlesen kann, wie z.B. Wetterberichte, Börsennews oder beliebige RSS Feeds. Um das Hasen-Konzept wurde noch eine Menge weiterer Services entwickelt, die Interaktionen und die Verbindung von realer und virtueller Welt ermöglichen.
Link zur Webseite: www.nabaztag.com

Prozesse wie am Schnürchen

Mit einer besonderen Ausgangslage sah sich Nicole Knuchel bei Swisscom konfrontiert. Aufgrund verschiedener technischer Änderungen wurde es notwendig, den Notifikations- und Bestellprozess von verschiedenen Swisscom Produkten zu überarbeiten. Nicole hat die Gunst der Stunde genutzt und das Redesign des Prozesses aus Kundensicht in Angriff genommen. Dieser wurde in Form von Customer Journeys aufgezeigt. Mit Motivinterviews wurde über die reine Zufriedenheit mit den einzelnen Prozessschritten auf die Ausprägung der vier Grundmotive «Kontrolle», «Selbstwert», «Bindung», «Lust» der Kunden geschlossen. Mit diesen neuen Daten wurden Grundregeln abgeleitet, wie ein Bestellprozess und die damit verbundene Kommunikation idealerweise aussehen sollte. Der neue Prozess wurde in einer Prototyping-Phase mit Kunden getestet und weiter verfeinert. Das letztendliche Resultat wurde in einer Pilotphase breit getestet und hat für bemerkenswerten Erfolg gesorgt: die Anzahl Support-Anfragen hat sich drastisch reduziert. Genau deshalb ist dieses Fallbeispiel auch so eindrücklich. Durch den Fokus auf die Kunden konnte nicht nur das Prozesserlebnis verbessert, sondern gleichzeitig auch durch die Reduzierung der Supportanfragen eine deutliche Kostenreduktion erzielt werden, so dass sich das Projekt in sehr kurzer Zeit amortisieren wird.

Die anschliessende Diskussion bezüglich des Potentials von Prozessoptimierung aus Kundensicht hat eine Herausforderung ins Zentrum gestellt: Incentivierung der Prozessteilnehmer – der internen und vor allem auch der von externen Partnern. Aufgrund der intensiven Diskussion und des offensichtlichen Bedarfs, werden wir das Thema in einer der nächsten Veranstaltungen ausführlicher behandeln.

Bericht vom Customer Experience Forum 2

In einem kurzen Überblick haben wir die wichtigsten Stationen im Verlauf des Tages zusammengefasst, welche auch auf unseren «Customer Experience»-Seiten erläutert sind: http://topics.stimmt.ch/customer-experience-forum-2/

Weitere Veranstaltungen

Wir freuen uns auf die kommenden Veranstaltungen, die weiterhin am 1. Mittwoch im Monat stattfinden werden. CX-Pioniere sind eingeladen ihre Fallbeispiele, Erfahrungen oder Herausforderungen in diesem Rahmen zu präsentieren. Interessenten wenden sich bitte an Helmut Kazmaier.

Creating & Delivering your Value Proposition – Wie Unternehmen zum «Wow» kommen.

01. Juli 2010 von Glenn Oberholzer
Creating & Delivering Your Value Proposition – Managing customer experience for Profit, Cindy Barnes, Helen Blake, David Pinder.
London – Kogan Page, 2009.Bei Google-Books

Executive Summary

«Organizations are paid to create value, not to control costs». Das Zitat von Peter Drucker (Seite 184) fasst zusammen, worum es in dem Buch geht. Das überliegende Ziel jedes marktwirtschaftlichen Unternehmens, so die Autoren, ist es Wert zu schaffen für Kunden. Um das zu erreichen, brauchen Unternehmen ein Nutzenversprechen (Value Proposition). Cindy Barnes, Helen Blake und David Pinder beschreiben den Weg zum Nutzenversprechen und die konkrete Umsetzung vor allem mit Fokus auf Sales und Marketing. Sie verraten konkrete Tipps, die den Fokus auf die Kunden sicher stellen.

Zwei zentrale Frameworks aus dem Buch:

Die «Value Pyramid » , als PDF

Der «Value Proposition Builder », als PDF

Struktur des Buchs

Das Buch strukturiert seine 200 Seiten in 15 Kapitel. Diese Kapitel lassen sich in drei Blöcke unterteilen:

  • Was ist eine Value Proposition und warum ist sie hilfreich?
  • Wie kommt ein Unternehmen zu einer Value Proposition?
  • Wie setzt man die Value Proposition in die Praxis um?

Wie das Buch Customer Experience beleuchtet

Wert definiert sich bei Barnes et al. als Nutzen minus Kosten (Value = Benefits – Costs). Es geht darum, möglichst hohen Nutzen bei möglichst geringen Kosten zu schaffen. Nutzen wie Kosten wiederum sind subjektiv und hängen stark vom Kontext der Kunden ab. Die Autoren betonen, dass Nutzen und Kosten auf verschiedenen Ebenen zu betrachten sind: die rationale, politisch/organisatorische und emotionale Ebenen spielen bei der Bewertung eine wesentliche Rolle. Diese Erkenntnis deckt sich auch mit unserer Definition von Customer Experience.

Der genaue Zusammenhang zwischen Customer Experience und der Value Proposition wird nur vage angedeutet. Die Autoren gehen davon aus, dass «Customer Experience» eine Dimension von Wert/Value für Kunden darstellt. Zwei zitierte Studien belegen, dass Firmen, die für sich eine Definition von Customer Experience gefunden, haben ihre Profitabilitätsziele übertreffen  [1] und den S&P 10:1 schlagen können, wenn sie sich auf Customer Experience Design fokussieren [2].

Um von einer Differenzierung über Preis wegzukommen, muss das Kernprodukt als Teil eines Systems von Dienstleistungen und anderen Produkten (“The Whole Product Model”, Levitt, Simon, Schuster, 1986) gedacht werden. So wird aus einzelnen Komponenten ein Angebot, eine Lösung und zu guter letzt echter, gemeinsam geschaffener Nutzen (co-created value), also eine mit dem Kunden zusammen entwickelte, personalisierte Lösung.

Um herauszufinden, was wirkliche “Wow”-Nutzenversprechen sind, bietet sich eine einfache 2×2 Matrix an. Die x-Achse definiert «Nutzen für den Kunden», die y-Achse «Differenzierung gegenüber der Konkurrenz». Hoher Nutzen bei grosser Differenzierung führt zu «Wow», tiefer Nutzen bei kleiner Differenzierung zu «so what?».

Entscheidungsmatrix für Kundennutzen

Entscheidungsmatrix für Kundennutzen, Quelle: Barnes et al. Creating & Delivering Your Value Proposition

Nachdem ein Nutzenversprechen gefunden wurde, das sowohl den Kunden wie auch dem Unternehmen maximalen Mehrwert bietet, geht es darum, dies auch zu kommunizieren und die ganze Unternehmung darauf abzustimmen. Dabei ist zentral eine Kultur zu verankern, die den maximalen Nutzen für alle Stakeholder ins Zentrum rückt.

Was man von diesem Buch lernen kann

Vor allem im ersten Teil zeigen die Autoren eindrücklich und klar, wie sich die heutige Welt verändert hat und wie wichtig es ist, sich auf den Nutzen von Produkten und Dienstleistungen aus Sicht der Kunden zu fokussieren: «At no time since the dawn of the industrial age have customers’ needs been a primary focus of business activity – until now» (Seite 11).

Ganz klar wird dabei: «A feature is not a benefit unless it is a solution to a need» (Seite 17). Um Kunden wirklichen Nutzen zu liefern müssen Firma ihre Kunden verstehen und eigene Annahmen überdenken: «Before you are able to put yourself in someone else’s shoes, you have to take off your own» (Seite 8 )

Persönliche Bewertung und Kritik

Das Buch liest sich relativ flüssig und viele der Gedankengänge sind auf den ersten Blick schlüssig. Auch kann ich vielen der Aussagen in dem Buch zustimmen. Allerdings sind bei genauerem Hinschauen die Puzzle-Teile nicht zu einem Ganzen verbunden. Es gibt kaum Kausalitäten in den Aussagen und selbst das vorgestellte Framework ist in sich nicht widerspruchsfrei. Es bietet dennoch einen Rahmen und ein Vorgehen, mit dem man relativ zielstrebig zu einer Value Proposition kommt. Dabei hilft das Buch, mit einfachen Werkzeugen konsequent auf den Nutzen (vor allem für die Kunden) zu fokussieren.

Empfehlung

Ich empfehle das Buch Praktikern, die Ideen brauchen, wie sie ihre Fragestellungen mittels einfacher Werkzeuge näher beleuchten möchten. Leider trägt es wenig zur Weiterentwicklung der Konzepte bei – vieles ist Standard Marketing-Denken.

[1] Finding the Performance Pay-off in Customer Experience, Aveus, 2008
[2] Blueprint: The discipline of Service Innovation, Peer Insight, 2007

Customer Experience Forum 2 – Unternehmen fokussieren immer mehr auf Kundenerlebnisse

25. Juni 2010 von Helmut Kazmaier | 1 Kommentar

Am 17. Juni sind 40 Customer Experience Pioniere dem Ruf von Swisscom und Stimmt nach Bern ins BrandGym gefolgt. 23 Organisationen aus der Schweiz, Deutschland, Österreich und dem Vereinigten Königreich waren vertreten. Allen gemeinsam: die Begeisterung für Customer Experience.

Eine weiterführende Zusammenfassung des Tages gibt es auf unserer Customer Experience Webseite: http://topics.stimmt.ch/customer-experience-forum-2/

Customer Experience Forum 2

Die CX-Pioniere entdecken Fundstücke auf der Vernissage

Christina Taylor, Head Brand Experience von Swisscom hat das Forum eröffnet. In ihrer Keynote hat sie vom Weg und der strategischen Bedeutung von Customer Experience (CX) bei Swisscom berichtet. Danach haben vor allem die Teilnehmenden Inhalte beigesteuert. Neben den Fallstudien von SAP, A1 Telekom Austria, Swisscom sowie der Ergo Versicherungsgruppe, wurden CX Herausforderungen aus dem Plenum gestellt und in Kleingruppen diskutiert. Diese reichten von der Vision eines neuen Postomaten, über den Einfluss von Social Media auf das Kundenerlebnis bis zum Szenario Access vs. Ownership. Ein weiteres Highlight waren die 40 CX Fundstücke, die von den Teilnehmenden mitgebracht worden sind und den ganzen Tag über in einer Vernissage zum Bewundern, Schmunzeln und Diskutieren eingeladen haben.

Das Customer Experience Forum 2 war ein würdiger Nachfolger und hat eine deutlich sichtbare Entwicklung durchgemacht. Das eigene CI/CD, professionelle Druckerzeugnisse und Organisation haben deutlich gemacht:  das Customer Experience Forum ist keine Eintagsfliege. Im Gegenteil. Es entwickelt sich zu einem bedeutenden Treffpunkt für CX-Pioniere im deutschsprachigen Raum.

Alle Teilnehmenden begrüssten den intimen und interaktiven Charakter des Forums. So kam es wieder zu einer interessanten Mischung aus Erfahrungsaustausch, gemeinsamer Diskussion und Networking. Dazu beigetragen hat auch die inspirierende Atmosphäre des Swisscom BrandGym.

Das ausschliesslich positive Echo während und nach dem Forum bestätigen das grosse Bedürfnis für derartigen Austausch. Dieses besteht vor allem deswegen, weil immer mehr Firmen in der Schweiz und im europäischen Ausland sich auf die Erlebnisse ihrer Kunden als strategisches Differenzierungsmerkmal fokussieren. Dieser Entwicklung tragen wir mit dem Customer Experience Network Rechnung und laden interessierte Unternehmen ein, sich anzuschliessen. Nehmen Sie dazu mit uns Kontakt auf.

Zum Schluss möchten wir die Gelegenheit nutzen, allen Teilnehmenden für ihren aktiven Beitrag zum Erfolg des Forums zu danken. Insbesondere möchten wir dem Team von Swisscom für ihre Gastfreundschaft und den unglaublichen Aufwand, ohne den das Customer Experience Forum nicht möglich gewesen wäre, danken.

Wir freuen uns schon auf das nächste Forum (voraussichtlich im November) und das zwischenzeitliche Zusammenkommen beim CEN-Xchange jeden ersten Mittwoch im Monat.

Multikanal Kundenerlebnis und Return on CX – CEN-Xchange 10.06

09. Juni 2010 von Helmut Kazmaier

Wieder in der gewohnten Umgebung des Stimmt Büros gab es dieses Mal anhand eines Projektbeispiels einen Einblick in die Welt des Online-Banking verbunden mit der Herausforderung, einen gleichsam sicheren wie  komfortablen Zugang  zu gewährleisten. Zudem haben wir unsere neu gewonnen Erkenntnisse im Theaterspiel angewendet (siehe CEN-Xchange 10.05) und einen Projektausschuss für ein CX-Projekt nachgespielt. Genug Stoff also für einen Abend voller Erkenntnisse, Einsichten und Erlebnisse.

Stimmt Büro«CX» Fundstücke

::Flugticket auf dem Handy

Diese Neuerung senkt nicht nur die Kosten für die Fluggesellschaften und rettet dem einen oder anderen Baum das Leben, sie ermöglicht dem geneigten Fluggast (mit ausschliesslich Handgepäck) ein entspanntes Boarden ohne vorheriges Anstehen am Check-In.

::US Online-Hemdenschneider setzt auf intensive Kundenbetreuung

Der Online-Service www.blank-label.com ermöglicht seinen Kunden die aktive Mitgestaltung von Hemden. Das ist nicht neu, wird aber gut umgesetzt. Neu ist die Chat-Box, die sich nach 90 Sekunden automatisch öffnet und die dem Kunden tatsächlich Live-Support während des Einkaufs ermöglicht. Dieser Service fügt sich nahtlos in die konsequente Ausrichtung auf das Kundenerlebnis ein.

Wie ein frühzeitiger Test die E-Banking Kunden einer Grossbank vor einem bizarren Login-Erlebnis bewahrt hat

Im Beispiel einer Grossbank ging es darum, wie ein technisch einwandfreies Produkt beim Kunden völlig versagt und zwar auf allen Kanälen.
Diese Erkenntnis hat nicht nur die Kunden, sondern auch die Bank vor Schaden bewahrt.

Die Bank plante ein neues Login-Verfahren, das eine hohe Sicherheit versprach. Technisch gesehen war das Produkt ausgereift und funktionierte einwandfrei – sofern man es richtig bediente. Doch damit hatten die Kunden im Test so einige Mühe. Niemand konnte sich auf Anhieb einloggen. Die beigelegte Bedienungsanleitung half nur den technisch versierten Nutzern weiter. Die ebenfalls im Test simulierte Hotline konnte in diesem Fall nicht weiterhelfen, da die Probleme bei der Bedienung ohne Sichtkontakt nahezu unlösbar waren. Mit den aus dem Test gewonnen Erkenntnissen konnten die zu erwartenden Kosten durch steigenden Serviceaufwand prognostiziert werden. Neben den monetären Auswirkungen konnte man den Unmutsäusserungen der Probanden entnehmen, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenso die Kundenbeziehung in Mitleidenschaft gezogen worden wäre, hätte man das System eingeführt. Schlussendlich ist das System am Kunden gescheitert und nicht umgekehrt. Eine alternative Lösung hat sich durchgesetzt, die bei den Kunden sehr viel Anklang gefunden hat. Am Ende haben Kunden und Bank profitiert.

Return on CX oder wie sag ich’s meinem Chef?

Diese Frage hören wir immer wieder. Die Leute, die sich mit dem Thema Customer Experience auseinandersetzen, sind sich in der Regel sehr schnell einig. Das Erlebnis des Kunden ist ein wichtiger Baustein für eine langfristige und gute Kundenbeziehung. Produkte und Dienstleistungen am Kunden auszurichten ist danach eine logische Folgerung. Doch die Konsequenz daraus, die Kundensicht in den entsprechenden Projekten mit den geeigneten  Methoden zu berücksichtigen, wird nicht immer gezogen. Die Gründe dafür sind mannigfaltig.

Es gibt also auf der einen Seite Projektmitarbeitende, die ihre Projekte nach den Kunden und deren Bedürfnissen ausrichten wollen, und auf der anderen Seite ein Management, das – häufig weit weg vom Kunden – die Dinge ausschliesslich aus der Firmenoptik betrachtet. Diese Situation haben wir mit einer Management-Gruppe und einer Projektgruppe nachgestellt, die miteinander diskutierten. Aus den zahlreich vorgetragenen Argumenten sollen vier hervorgehoben werden, die unsere Manager besonders überzeugt haben:

1. Die Chance auf Innovationen: zusätzliche Produkte und Dienstleistungen, die aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse über die Kunden entwickelt werden können.

2. Investitionsschutz und Eintrittsbarriere: Produkte und auch Dienstleistungen können heutzutage relative leicht kopiert werden. Eine konsequente Ausrichtung auf das Kundenerlebnis mittels einem System aus Produkten, Dienstleistungen sowie den weiteren Berührungspunkten mit den Kunden ist dagegen nur schwer kopierbar. Als vielzitiertes Beispiel dient Apple. Ein schlichtes Plagiat des iPhones (das es tatsächlich gibt) genügt nicht, um Apple ernsthaft in Bedrägnis zu bringen. Ein so über das Erlebnis besetzter Markt ist nur schwer von einem Konkurrenten anzugreifen.

3. Kostenersparnis: Hier spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Fehlentwicklungen am Kunden vorbei werden verhindert. Entwicklungen können zielgerichteter erfolgen – unnötige Features werden erst gar nicht entwickelt. Kunden werden bereits in der Entwicklung berücksichtigt – daraus resultiert eine höhere Akzeptanz sowie geringere Support-Kosten.

4. Kundenloyalität und Weiterempfehlung: Wenn es ein Unternehmen schafft, seine Kunden nachhaltig zu begeistern und eine tiefere Bindung aufzubauen, da es Bedürfnisse und Motivatoren besser versteht, werden die Kunden es eher weiter empfehlen und eine grössere Loyalität empfinden.

Von Management-Seite wurde quantifizierter Mehrwert gefordert, um eine Abwägung von Aufwand und Nutzen zu ermöglichen. Dieser Wunsch ist verständlich, konnte aber in dieser Simulation aufgrund fehlender Informationen über unser fiktives Unternehmen und der kürze der Zeit nicht geliefert werden.

Dieser Beitrag soll mit dem Zitat eines Teilnehmers enden, der erklärt hat: «Ich habe mich für die Gruppe der Chefs entschieden, weil ich verstehen wollte, warum man sich gegen Kundenzentrierung sperren könnte. Es ist mir nicht gelungen.»