Archiv für April 2010

Avieta Zgraggen verstärkt Stimmt

14. April 2010 von Stimmt AG | 3 Kommentare
Avieta Zgraggen

Avieta Zgraggen

Wir freuen uns über neue Verstärkung. Avieta Zgraggen unterstützt das Partnerteam bei Administration und Organisation von Stimmt.

Als Organisationstalent hat Avieta mit Schwung und Elan über vier Jahre den Aufbau von Google Schweiz begleitet und später im Finanzdienstleistungssektor in den Bereichen HR und Finanzen gewirkt. Besonders gerne organisiert sie Events, was wir hoffentlich alle dieses Jahr noch zu spüren bekommen.

Wir sind gespannt auf den frischen Wind und wünschen Avieta viel Spass im Team.

Jeff Bezos und Versicherungen – CEN-XChange April 2010

07. April 2010 von Glenn Oberholzer | 4 Kommentare
Jeff Bezos, CEO Amazon

Jeff Bezos, CEO Amazon

Jeff Bezos, der CEO von Amazon, war bei Stimmt im Keller – in Gedanken. Seine Zitate sind Leitplanken im Stimmt Customer Experience Talk, den Helmut am CEN-XChange uraufgeführt hat. Helmut zeigte überzeugend auf, warum Customer Experience und der Fokus auf die Kunden ein Wettbewerbsvorteil ist, dass sich ein Kundenfokus rechnet und wie Unternehmen weltweit und in der Schweiz (Swisscom, Migros, BMW Finanzdienstleistungen und andere) diesen Wettbewerbsvorteil für sich nutzen. Er gab Anstösse für erste Schritte, die helfen die «Geisteshaltung Customer Experience» in jedem Unternehmen zu verankern. Den Customer Experience Talk halten wir gerne auch bei Ihnen im Unternehmen. Setzen Sie sich mit Helmut Kazmaier in Verbindung.

Danach erzählte uns Fulvio Elia von axa-Winterthur wie er als Produktmanager Sachversicherungen KMU ein Produkt radikal vereinfachen und danach über ein Fine-Tuning ein für Kunden optimaleres Produkt entstehen konnte. Ein schöner Case, der zeigt, wie auch bottom-up einiges in Sachen Kundenorientierung gemacht werden kann.

Die Diskussionen kreisten vor allem um die Themen:

  • Business Nutzen von Customer Experience (ja, es ist bewiesen)
  • Customer Experience ist nicht nur Customer Service, sondern ein ganzheitlicher Ansatz
  • Incentivierung des Vertriebs: Leider oftmals immer noch produktezentriert, nicht kundenzentriert.

Vielen Dank den 15 Customer-Experience Enthusiasten, die den Weg an die Korneliusstrasse gefunden haben.

Die CX-Fundstücke dieses Mal:

«Denken Sie endlich XXL» , das neue Buch von Customer Experience Guru Bernd Schmitt, empfohlen von Beat Aebischer.
Der Artikel «The Outside in Approach to Customer Service» von Ranjay Gulati empfohlen von Glenn Oberholzer. Vom gleichen Autor den Podcast und sein neues Buch «Reorganize for Resilience – Putting the Customer at the Center of your Business»

The Design of Business – Balancieren von Effizienz und Innovation

07. April 2010 von lorenz.ritzmann
The Design of Business – Why Design Thinking Is the Next Competitive Advantage

Roger Martin
Harvard Business Press, Boston
November 2009

Google Books

Zusammenfassung

Roger Martin präsentiert eine einfache Idee, die bei konsequenter Anwendung grosse Auswirkungen auf die Geschäftswelt haben kann. Diese Idee nennt er «Design Thinking». Sie zielt darauf ab, zwischen dem Entdecken von Wissen (mit Innovation gleichgesetzt) und der Ausnutzung von bereits Vorhandenem (Effizienz) eine Balance herzustellen, um schlussendlich beides erreichen zu können. Mit dieser Idee fechtet Roger Martin das übliche Businessdenken an, das uns lehrt, dass sich ein Konzern entweder zwischen Innovation oder Effizienz entscheiden muss, nie jedoch beides gleichzeitig erreichen kann.

Zusammenfasung des Buches downloaden

Als Folge dieses Denkens operierten heutige Firmen zu oft an einem der beiden Pole. Kleine Firmen konzentrieren sich gegenwärtig meist darauf, innovativ zu sein und die Exploration von Wissen voran zu treiben. Sie erforschen neue Geschäftsgebiete, neue Techniken oder Produkte. Die Ergebnisse solcher Unternehmungen sind schwer vorhersagbar; effiziente Strukturen, die es ermöglichen aus dem neu gewonnen Wissen Profit zu schlagen, fehlen. Demgegenüber stehen grosse, auf Effizienz getrimmte Firmen. Das Personal dieser Firmen sieht es als seine Aufgabe, möglichst vorhersagbare Geschäftsergebnisse liefern zu können. Die von innerhalb und ausserhalb der Konzerne geforderte Vorhersagbarkeit verhindert nach Roger Martin jedoch echte Innovationskraft, da der Erfolg von Innovationen selten genau vorhergesagt werden kann. Den Zwang, sämtliche Ergebnisse im Voraus durch Statistiken belegen zu müssen, nennt Roger Martin «Reliability Bias» und wird als Grund für den sicheren Misserfolg vieler Firmen auf die lange Sicht angegeben.

Firmen, die Design Thinking verinnerlicht haben, picken sich von beiden beschriebenen Welten die Vorteile heraus: Abteilungen, die mit bekanntem Wissen arbeiten, werden auf äusserste Effizienz getrimmt und sind die Geldquelle des Unternehmens. Um sich einer verändernden Umwelt anpassen zu können, wird das daraus gewonnene Geld nicht direkt in die Steigerung der Effizienz angelegt, sondern in die Erforschung von neuem Wissen. Dies führt einerseits zu Innovationen und andererseits zu mehr Effizienz in Wissensgebieten, die bis anhin nicht effizient bearbeitbar waren.

Erfolgreiche Anwendungen von Design Thinking werden in Fallstudien von Procter & Gamble, Herman Miller, Research in Motion (bekannt für das BlackBerry) und anderen Firmen geschildert. Als spannend dabei erlebte ich, dass die beschriebenen Firmen unterschiedliche Wege gingen, um die Zusammenarbeit zwischen effizienz- und innovations-getriebenen Mitarbeitern produktiv zu gestalten.

Struktur des Buchs

Das Buch ist in 7 Kapitel gegliedert, die aus meiner Sicht besonders interessanten Titel sind durch einen Stern (*) hervorgehoben:

  1. The Knowledge Funnel (*)
  2. The Reliability Bias (*)
  3. Design Thinking
  4. Transforming the Corporation (*)
  5. The Balancing Act (*)
  6. World-Class Explorers
  7. Getting Personal

Wie das Buch Customer Experience beleuchtet

Auf das Thema Customer Experience wird nicht direkt eingegangen. Durch die Fallstudien von Herman Miller und Procter & Gamble wird jedoch deutlich, wie hilfreich und innovationstreibend es sein kann, ein holistisches Verständnis der User anzustreben. Folgt man der Logik des Buches, ist das eine notwendige Komponente, um das Maximum an Ergebnissen aus Entwicklungsabteilungen herauszuholen und um den längerfristigen Erfolg einer Firma zu ermöglichen.

Bewertung

The Design of Business stellt für mich einen echten Augenöffner dar. Einerseits werden der «Reliability Bias» und dessen schwerwiegende Konsequenzen vorgestellt. Gleichzeitig aber sorgen die aufgezeigten Fallbeispiele für Mut zur Veränderung und geben Anlass, auch die Ergebnisse weniger traditioneller Denkweisen als gültig zu erachten, um der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein. Nichtsdestotrotz weist das Buch auch negative Punkte auf: So kann es beispielsweise wissenschaftlichen Kriterien nicht standhalten. Einen Beweis für den Erfolg einer Firma durch Design Thinking bleibt uns der Autor schuldig. Als «Belege» dienen lediglich Fallbeispiele, die ich zwar als inspirierend und auch schlüssig empfand, von denen jedoch keine genauen «wenn-dann» Regeln abgeleitet werden. Ebenfalls nimmt es Roger Martin meiner Meinung nach mit Definitionen nicht genau genug: das Prinzip des Design Thinking wird zu unscharf umschrieben, als dass es überhaupt falsifizierbar wäre.

Schlussendlich stellt das Buch weniger eine How-To Anleitung dar, sondern eher eine Einstellung, mit deren Hilfe ein Umfeld geschaffen werden kann, in dem Innovationen eine Chance erhalten zu gedeihen, andererseits aber auch Effizienz angestrebt wird – so dass eine Firma schlussendlich ihre Grösse erhalten kann, gleichzeitig aber anpassbar an eine sich ständig verändernde Umwelt bleibt.

Empfehlung

Spannend ist das Buch für alle Personen, die sich mit strategischen Entscheiden, Firmenstrukturen, aber auch mit den kulturellen Normen einer Firma auseinander setzen. Ich empfehle das Buch allen, die ihre Firmen mehr auf Innovation und Customer Centricity hinführen wollen: Top Managern und Personen, die im strategischen Marketing, im Business Development oder für die Human Ressources verantwortlich sind. Inspirierend könnte das Buch allerdings auch für Controller oder Industrie-Designer sein, die je an einem der beiden Pole arbeiten.

Zusammenfasung des Buches downloaden

Was ist Customer Experience?

05. April 2010 von Glenn Oberholzer | 1 Kommentar

Richard Tait hat die gängigsten Definitionen zusammengefasst. Die meisten dieser Definitionen sehen Customer Experience als die Gesamtheit aller Interaktionen von Kunden mit einem Unternehmen.

Wir sehen das anders: Nur wenige Interaktionen sind für Kunden relevant. Es geht also bei Customer Experience nur um einen Teil der Interaktionen.

Erinnern Sie sich an Ihren letzten Bäckerei-Besuch?

Wahrscheinlich nicht. Weil diese Interaktion für Sie nicht aussergewöhnlich und nicht bedeutsam war. In fast allen unserer Projekten finden wir heraus: Viele Interaktionen mit einer Firma werden nicht erinnert.

Kommen wir auf meine Tauchferien zurück: Ich erinnere mich an die nette E-Mail von Ellen. Ich erinnere mich an die überraschend gut organisierte Materialausgabe und an die professionelle Instruktorin am 2. Tag. Ich erinnere mich nicht an das Essen auf den Tauchschiffen oder an die Qualität der Tauchausrüstung. Nicht einmal an den Preis der Tauchgänge.

Erinnerbarkeit ist zentral. Denn: Ereignisse, die nicht erinnert werden, können das Verhalten von Menschen nicht beinflussen und sind deshalb in einem ökonomischen Kontext irrelevant.

Der Nobelpreisträger Daniel Kahneman kommt zum gleichen Schluss. Er fand ausserdem: Es sind vor allem die bedeutsamen Ereignisse während und das Ende einer Interaktion, die ausmachen, woran und wie wir uns erinnern (Der TED Talk lohnt sich!)

Deshalb definieren wir bei Stimmt Customer Experience so:

Kundenerlebnisse (Customer Experience) sind für Kunden bedeutsame und erinnerbare Ereignisse mit einer Firma.

Es geht also darum, Interaktionen so zu gestalten, dass Momente darin so positiv in Erinnerung bleiben, dass sich Kunden auch noch lange danach daran erinnern. Denn an das Weggli beim Bäcker als Kind können Sie sich wahrscheinlich auch heute noch erinnern.

Wie auch Ihr Unternehmen nach Jahrzehnten noch erinnert wird? Bald gibt’s hier mehr.

In der Zwischenzeit freue ich mich über Kommentare.