Mit gutem Service Design zu gutem Customer Experience

30. Juli 2010 von Helmut Kazmaier

What's the Secret?What’s the Secret?:
To Providing a World-Class Customer Experience
John R. DiJulius III

John Wiley & Sons, Inc. Hoboken, New Jersey, 2008. Bei Google Books.

Executive Summary

DiJulius beschreibt in seinem Framework wie ein Unternehmen dazu kommt, dass seine Kunden ein «World-Class Customer Experience» haben. Die Ausführungen beziehen sich dabei hauptsächlich auf den Aspekt des Service Design mit einem deutlichen Fokus auf die Hotellerie und das Gastgewerbe.

Buchzusammenfassung (PDF, 160KB, Deutsch)

Struktur des Buches

Das Buch gliedert sich in zwei Teile mit insgesamt 14 Kapiteln.
Den ersten Teil widmet DiJulius der Bedeutung von «Customer Service». Er führt aus, dass Firmen mit hoher Kundenzufriedenheit erfolgreicher sind. Er beschreibt weiterhin die negativen Auswirkungen mangelnden Services und Differenzierung über den Preis. Eine kurze Liste von «World-Class Service Sins» sowie ein Hinweis auf sein Instrument C-SAT (Customer Service Aptitude Levels) beschliessen den ersten Teil.

Chain of Commandments

Der zweite Teil beschreibt in zehn Kapiteln das Framework «Chain of Commandments»:

  1. Service Vision (Kapitel 5):
  2. World-Class Internal Culture (Kapitel 6)
  3. Non negotiable Experiential Standards ( Kapitel 7)
  4. Secret Service System (Kapitel 8 )
  5. Training to Provide a World-Class Customer Experience (Kapitel 9)
  6. Implementation and Execution (Kapitel 10)
  7. Zero Risk (Kapitel 11)
  8. Creating an Above-and-Beyond Culture (Kapitel 12)
  9. Measuring Your Customer’s Experience (Kapitel 13)
  10. World-Class Leadership (Kapitel 14)

Wie das Buch Customer Experience beleuchtet

DiJulius versteht das Kundenerlebnis als direkte Folge von Customer Service. Auch wenn er bei seinen sechs Komponenten der Customer Experience noch verschiedene andere Aspekte aufzählt, handelt das Buch doch weitestgehend von der direkten Interaktion der Mitarbeitenden mit den Kunden und allenfalls noch den Abläufen im Hintergrund, die diese unterstützen. Er führt dabei viele Beispiele aus Hotels, Restaurants und seinem eigenen Wellness Spa an.

Eine genaue Definition, was genau er unter Customer Experience versteht, gibt DiJulius nicht. Die Begriffe Customer Service, Customer Experience, Customer Satisfaction und Customer Loyalty werden in verschiedenen Wirkungszusammenhängen erwähnt oder teilweise synonym verwendet. Gleichwohl gibt DiJulius eine simple Formel an, mit der man Customer Experience messen kann:

Reality – Expectation = Customer Experience

Nach Ansicht von DiJulius reicht es nicht, Kunden zufrieden zu stellen, sondern man muss mit «World-Class» Service und «Above-and-Beyond» Erlebnissen Kunden begeistern, um deren Loyalität zu gewinnen. Dabei spielen vor allem die nicht geäusserten Bedürfnisse eine grosse Rolle, die es zu antizipieren und bedienen gilt.

Was man von diesem Buch lernen kann

Das Framework, das quasi als Kochrezept für eine «World-Class» Customer Experience Firma dienen soll, wird diesem Anspruch nicht ganz gerecht. Allerdings bietet das Buch einige Anleitungen, Methoden und Beispiele, wie man den Kundenservice in einem Unternehmen verbessern kann. Neben etlichen konkreten Tipps, die vor allem in im Hotel- und Gastgewerbe 1:1 anwendbar sind, gibt das Framework auch einige gute Impulse für andere Branchen, das eigene Unternehmen aus Sicht der Kunden neu zu erfinden. Besonders spannend finde ich die Aspekte des Kulturwandels und wie dieser innerhalb des Unternehmens durch eine geschickte Vermarktung der Service Vision und Anerkennung entsprechender Leistungen seitens der Mitarbeiter unterstützt werden kann.

Persönliche Bewertung und Kritik

Würde der Titel lauten: Wie ziehe ich ein 5 Sterne Hotel auf, würde mir das Buch bedeutend besser gefallen. So bleiben in Bezug auf Customer Experience noch einige Fragen offen, was schon mit der Definition beginnt.
DiJulius zitiert Pine und Gilmore und ihr Buch The Experience Economy,  bewegt sich mit seinem Buch aber eher in der Service Economy: man muss einfach besseren Service als die Konkurrenz bieten, die Extra-Meile gehen und «Above-and-Beyond» Gelegenheiten nutzen. Obwohl DiJulius an der einen oder anderen Stelle darauf aufmerksam macht, dass dies viel harte Arbeit bedeutet, klingt vieles sehr einfach bzw. wird nur oberflächlich behandelt. So lautet seine Anleitung wie man zu einer Service Vision kommt ungefähr so: «Das Management muss sich intensiv zusammensetzen und die Vision erarbeiten. Und wenn sie weniger als 30 Stunden dafür brauchen, ist es vermutlich nur oberflächlich und unbrauchbar» (S. 91).

Wie viele Bücher aus dem angelsächsischem Raum kommt mir auch dieses etwas zu lang vor und es strotz vor Wiederholungen. Obwohl ich Anekdoten grundsätzlich ganz spannend und zur Illustration geeignet finde, sind es dann für meinen Geschmack doch ein paar zu viele. Vor allem weil es sich häufig um Steak-House X  oder Pizzeria Y handelt und der Anwendungskontext schon sehr spezifisch auf Gastronomie ausgerichtet ist.

Den ersten Teil finde ich deutlich zu schwach, obwohl der Versuch, zunächst Glaubwürdigkeit aufzubauen und die Wichtigkeit des Themas zu verdeutlichen mir durchaus sinnvoll erscheint. Leider bleibt der Beleg trotz einiger seriöser Quellen und Studien doch eher schwach und voller Behauptungen, von denen ich auch etlichen intuitiv zustimmen würde. Aber hier hätte ich mir doch etwas mehr Tiefgang gewünscht.

Als Anregung zu kundenorientiertem Service Design taugt das Buch allemal und bietet mit seinen vielen Praxisbeispielen auch einen entsprechenden Mehrwert. Die ein oder andere Methode wie der «Customer Experience Cycle Workshop» (s.187) sind spannend und nützlich. Das Buch hat einen deutlichen operativen Fokus und richtet sich vermutlich eher an kleinere Unternehmen, auch wenn häufiger Firmen wie Disney oder Ritz-Carlton zitiert werden.

Empfehlung

Aufgrund des operativen Fokus würde ich das Buch vor allen Personen empfehlen, die direkt für die Gestaltung von Kundeninteraktionen verantwortlich sind.  Für HR Abteilungen mag das Thema des Kulturwandels spannend sein. Die vielen Beispiele und Anekdoten bieten Stoff für all diejenigen, die andere überzeugen wollen, dass Kundenorientierung und Kundenservice wichtige Themen sind, die für den nachhaltigen Erfolg von dienstleistungsorierntierten Unternehmen essentiell sind.

Buchzusammenfassung (PDF, 160KB, Deutsch)

Customer Experience Network eXchange im Juli – Mit gutem Prozess-Design das Kundenerlebnis verbessern und Kosten senken

12. Juli 2010 von Helmut Kazmaier | 1 Kommentar

Nicole Knuchel hat mit ihrem Fallbeispiel von Swisscom eindrücklich gezeigt, wie man mit kundenzentriertem Prozess-Design nicht nur das Kundenerlebnis verbessern, sondern auch durch die gewonnene Effizienz Kosten sparen kann. Die nachfolgende Diskussion hat verschiedenste Herausforderungen in diesem Zusammenhang aufgebracht, von denen das Thema «Incentivierung» als besonders wichtig und herausfordernd empfunden wurde.

«CX» Fundstücke

::Die digitale Visitenkarte

In der neuen digitalen Welt der sozialen Netze mutet es beinahe als Anachronismus an, Visitenkarten aus Papier zu tauschen. Mit Poken soll der Austausch von Adressdaten vereinfacht werden. Durch Berühren der Pokens wird der Kontakt hergestellt und auf der Poken-Webseite können dann die freigegebenen Adressdaten angesehen und verwendet werden. Besonders schön ist die Timeline, die den zeitlichen Verlauf der geschlossenen Kontakte darstellt.
Link zu Webseite: www.poken.com

::Broschüre für Hörgeräte

Als Kundenbindungsmassnahme hat ein Hörgerätehändler eine kleine Broschüre entwickelt, die auf viele Fragen im Alltag von Hörgerätnutzern eine Antwort bietet bzw. auf den Service des Händlers verweist und damit Hilfe anbietet.

::Der Internet Hase

Internet ganz neu erleben kann man mit Nabaztag. Einm Gerät in Form eines stilisierten Hasen, das verschiedene Informationen aus dem Internet vorlesen kann, wie z.B. Wetterberichte, Börsennews oder beliebige RSS Feeds. Um das Hasen-Konzept wurde noch eine Menge weiterer Services entwickelt, die Interaktionen und die Verbindung von realer und virtueller Welt ermöglichen.
Link zur Webseite: www.nabaztag.com

Prozesse wie am Schnürchen

Mit einer besonderen Ausgangslage sah sich Nicole Knuchel bei Swisscom konfrontiert. Aufgrund verschiedener technischer Änderungen wurde es notwendig, den Notifikations- und Bestellprozess von verschiedenen Swisscom Produkten zu überarbeiten. Nicole hat die Gunst der Stunde genutzt und das Redesign des Prozesses aus Kundensicht in Angriff genommen. Dieser wurde in Form von Customer Journeys aufgezeigt. Mit Motivinterviews wurde über die reine Zufriedenheit mit den einzelnen Prozessschritten auf die Ausprägung der vier Grundmotive «Kontrolle», «Selbstwert», «Bindung», «Lust» der Kunden geschlossen. Mit diesen neuen Daten wurden Grundregeln abgeleitet, wie ein Bestellprozess und die damit verbundene Kommunikation idealerweise aussehen sollte. Der neue Prozess wurde in einer Prototyping-Phase mit Kunden getestet und weiter verfeinert. Das letztendliche Resultat wurde in einer Pilotphase breit getestet und hat für bemerkenswerten Erfolg gesorgt: die Anzahl Support-Anfragen hat sich drastisch reduziert. Genau deshalb ist dieses Fallbeispiel auch so eindrücklich. Durch den Fokus auf die Kunden konnte nicht nur das Prozesserlebnis verbessert, sondern gleichzeitig auch durch die Reduzierung der Supportanfragen eine deutliche Kostenreduktion erzielt werden, so dass sich das Projekt in sehr kurzer Zeit amortisieren wird.

Die anschliessende Diskussion bezüglich des Potentials von Prozessoptimierung aus Kundensicht hat eine Herausforderung ins Zentrum gestellt: Incentivierung der Prozessteilnehmer – der internen und vor allem auch der von externen Partnern. Aufgrund der intensiven Diskussion und des offensichtlichen Bedarfs, werden wir das Thema in einer der nächsten Veranstaltungen ausführlicher behandeln.

Bericht vom Customer Experience Forum 2

In einem kurzen Überblick haben wir die wichtigsten Stationen im Verlauf des Tages zusammengefasst, welche auch auf unseren «Customer Experience»-Seiten erläutert sind: http://topics.stimmt.ch/customer-experience-forum-2/

Weitere Veranstaltungen

Wir freuen uns auf die kommenden Veranstaltungen, die weiterhin am 1. Mittwoch im Monat stattfinden werden. CX-Pioniere sind eingeladen ihre Fallbeispiele, Erfahrungen oder Herausforderungen in diesem Rahmen zu präsentieren. Interessenten wenden sich bitte an Helmut Kazmaier.

Creating & Delivering your Value Proposition – Wie Unternehmen zum «Wow» kommen.

01. Juli 2010 von Glenn Oberholzer
Creating & Delivering Your Value Proposition – Managing customer experience for Profit, Cindy Barnes, Helen Blake, David Pinder.
London – Kogan Page, 2009.Bei Google-Books

Executive Summary

«Organizations are paid to create value, not to control costs». Das Zitat von Peter Drucker (Seite 184) fasst zusammen, worum es in dem Buch geht. Das überliegende Ziel jedes marktwirtschaftlichen Unternehmens, so die Autoren, ist es Wert zu schaffen für Kunden. Um das zu erreichen, brauchen Unternehmen ein Nutzenversprechen (Value Proposition). Cindy Barnes, Helen Blake und David Pinder beschreiben den Weg zum Nutzenversprechen und die konkrete Umsetzung vor allem mit Fokus auf Sales und Marketing. Sie verraten konkrete Tipps, die den Fokus auf die Kunden sicher stellen.

Zwei zentrale Frameworks aus dem Buch:

Die «Value Pyramid » , als PDF

Der «Value Proposition Builder », als PDF

Struktur des Buchs

Das Buch strukturiert seine 200 Seiten in 15 Kapitel. Diese Kapitel lassen sich in drei Blöcke unterteilen:

  • Was ist eine Value Proposition und warum ist sie hilfreich?
  • Wie kommt ein Unternehmen zu einer Value Proposition?
  • Wie setzt man die Value Proposition in die Praxis um?

Wie das Buch Customer Experience beleuchtet

Wert definiert sich bei Barnes et al. als Nutzen minus Kosten (Value = Benefits – Costs). Es geht darum, möglichst hohen Nutzen bei möglichst geringen Kosten zu schaffen. Nutzen wie Kosten wiederum sind subjektiv und hängen stark vom Kontext der Kunden ab. Die Autoren betonen, dass Nutzen und Kosten auf verschiedenen Ebenen zu betrachten sind: die rationale, politisch/organisatorische und emotionale Ebenen spielen bei der Bewertung eine wesentliche Rolle. Diese Erkenntnis deckt sich auch mit unserer Definition von Customer Experience.

Der genaue Zusammenhang zwischen Customer Experience und der Value Proposition wird nur vage angedeutet. Die Autoren gehen davon aus, dass «Customer Experience» eine Dimension von Wert/Value für Kunden darstellt. Zwei zitierte Studien belegen, dass Firmen, die für sich eine Definition von Customer Experience gefunden, haben ihre Profitabilitätsziele übertreffen  [1] und den S&P 10:1 schlagen können, wenn sie sich auf Customer Experience Design fokussieren [2].

Um von einer Differenzierung über Preis wegzukommen, muss das Kernprodukt als Teil eines Systems von Dienstleistungen und anderen Produkten (“The Whole Product Model”, Levitt, Simon, Schuster, 1986) gedacht werden. So wird aus einzelnen Komponenten ein Angebot, eine Lösung und zu guter letzt echter, gemeinsam geschaffener Nutzen (co-created value), also eine mit dem Kunden zusammen entwickelte, personalisierte Lösung.

Um herauszufinden, was wirkliche “Wow”-Nutzenversprechen sind, bietet sich eine einfache 2×2 Matrix an. Die x-Achse definiert «Nutzen für den Kunden», die y-Achse «Differenzierung gegenüber der Konkurrenz». Hoher Nutzen bei grosser Differenzierung führt zu «Wow», tiefer Nutzen bei kleiner Differenzierung zu «so what?».

Entscheidungsmatrix für Kundennutzen

Entscheidungsmatrix für Kundennutzen, Quelle: Barnes et al. Creating & Delivering Your Value Proposition

Nachdem ein Nutzenversprechen gefunden wurde, das sowohl den Kunden wie auch dem Unternehmen maximalen Mehrwert bietet, geht es darum, dies auch zu kommunizieren und die ganze Unternehmung darauf abzustimmen. Dabei ist zentral eine Kultur zu verankern, die den maximalen Nutzen für alle Stakeholder ins Zentrum rückt.

Was man von diesem Buch lernen kann

Vor allem im ersten Teil zeigen die Autoren eindrücklich und klar, wie sich die heutige Welt verändert hat und wie wichtig es ist, sich auf den Nutzen von Produkten und Dienstleistungen aus Sicht der Kunden zu fokussieren: «At no time since the dawn of the industrial age have customers’ needs been a primary focus of business activity – until now» (Seite 11).

Ganz klar wird dabei: «A feature is not a benefit unless it is a solution to a need» (Seite 17). Um Kunden wirklichen Nutzen zu liefern müssen Firma ihre Kunden verstehen und eigene Annahmen überdenken: «Before you are able to put yourself in someone else’s shoes, you have to take off your own» (Seite 8 )

Persönliche Bewertung und Kritik

Das Buch liest sich relativ flüssig und viele der Gedankengänge sind auf den ersten Blick schlüssig. Auch kann ich vielen der Aussagen in dem Buch zustimmen. Allerdings sind bei genauerem Hinschauen die Puzzle-Teile nicht zu einem Ganzen verbunden. Es gibt kaum Kausalitäten in den Aussagen und selbst das vorgestellte Framework ist in sich nicht widerspruchsfrei. Es bietet dennoch einen Rahmen und ein Vorgehen, mit dem man relativ zielstrebig zu einer Value Proposition kommt. Dabei hilft das Buch, mit einfachen Werkzeugen konsequent auf den Nutzen (vor allem für die Kunden) zu fokussieren.

Empfehlung

Ich empfehle das Buch Praktikern, die Ideen brauchen, wie sie ihre Fragestellungen mittels einfacher Werkzeuge näher beleuchten möchten. Leider trägt es wenig zur Weiterentwicklung der Konzepte bei – vieles ist Standard Marketing-Denken.

[1] Finding the Performance Pay-off in Customer Experience, Aveus, 2008
[2] Blueprint: The discipline of Service Innovation, Peer Insight, 2007

Customer Experience Forum 2 – Unternehmen fokussieren immer mehr auf Kundenerlebnisse

25. Juni 2010 von Helmut Kazmaier | 1 Kommentar

Am 17. Juni sind 40 Customer Experience Pioniere dem Ruf von Swisscom und Stimmt nach Bern ins BrandGym gefolgt. 23 Organisationen aus der Schweiz, Deutschland, Österreich und dem Vereinigten Königreich waren vertreten. Allen gemeinsam: die Begeisterung für Customer Experience.

Eine weiterführende Zusammenfassung des Tages gibt es auf unserer Customer Experience Webseite: http://topics.stimmt.ch/customer-experience-forum-2/

Customer Experience Forum 2

Die CX-Pioniere entdecken Fundstücke auf der Vernissage

Christina Taylor, Head Brand Experience von Swisscom hat das Forum eröffnet. In ihrer Keynote hat sie vom Weg und der strategischen Bedeutung von Customer Experience (CX) bei Swisscom berichtet. Danach haben vor allem die Teilnehmenden Inhalte beigesteuert. Neben den Fallstudien von SAP, A1 Telekom Austria, Swisscom sowie der Ergo Versicherungsgruppe, wurden CX Herausforderungen aus dem Plenum gestellt und in Kleingruppen diskutiert. Diese reichten von der Vision eines neuen Postomaten, über den Einfluss von Social Media auf das Kundenerlebnis bis zum Szenario Access vs. Ownership. Ein weiteres Highlight waren die 40 CX Fundstücke, die von den Teilnehmenden mitgebracht worden sind und den ganzen Tag über in einer Vernissage zum Bewundern, Schmunzeln und Diskutieren eingeladen haben.

Das Customer Experience Forum 2 war ein würdiger Nachfolger und hat eine deutlich sichtbare Entwicklung durchgemacht. Das eigene CI/CD, professionelle Druckerzeugnisse und Organisation haben deutlich gemacht:  das Customer Experience Forum ist keine Eintagsfliege. Im Gegenteil. Es entwickelt sich zu einem bedeutenden Treffpunkt für CX-Pioniere im deutschsprachigen Raum.

Alle Teilnehmenden begrüssten den intimen und interaktiven Charakter des Forums. So kam es wieder zu einer interessanten Mischung aus Erfahrungsaustausch, gemeinsamer Diskussion und Networking. Dazu beigetragen hat auch die inspirierende Atmosphäre des Swisscom BrandGym.

Das ausschliesslich positive Echo während und nach dem Forum bestätigen das grosse Bedürfnis für derartigen Austausch. Dieses besteht vor allem deswegen, weil immer mehr Firmen in der Schweiz und im europäischen Ausland sich auf die Erlebnisse ihrer Kunden als strategisches Differenzierungsmerkmal fokussieren. Dieser Entwicklung tragen wir mit dem Customer Experience Network Rechnung und laden interessierte Unternehmen ein, sich anzuschliessen. Nehmen Sie dazu mit uns Kontakt auf.

Zum Schluss möchten wir die Gelegenheit nutzen, allen Teilnehmenden für ihren aktiven Beitrag zum Erfolg des Forums zu danken. Insbesondere möchten wir dem Team von Swisscom für ihre Gastfreundschaft und den unglaublichen Aufwand, ohne den das Customer Experience Forum nicht möglich gewesen wäre, danken.

Wir freuen uns schon auf das nächste Forum (voraussichtlich im November) und das zwischenzeitliche Zusammenkommen beim CEN-Xchange jeden ersten Mittwoch im Monat.

Multikanal Kundenerlebnis und Return on CX – CEN-Xchange 10.06

09. Juni 2010 von Helmut Kazmaier

Wieder in der gewohnten Umgebung des Stimmt Büros gab es dieses Mal anhand eines Projektbeispiels einen Einblick in die Welt des Online-Banking verbunden mit der Herausforderung, einen gleichsam sicheren wie  komfortablen Zugang  zu gewährleisten. Zudem haben wir unsere neu gewonnen Erkenntnisse im Theaterspiel angewendet (siehe CEN-Xchange 10.05) und einen Projektausschuss für ein CX-Projekt nachgespielt. Genug Stoff also für einen Abend voller Erkenntnisse, Einsichten und Erlebnisse.

Stimmt Büro«CX» Fundstücke

::Flugticket auf dem Handy

Diese Neuerung senkt nicht nur die Kosten für die Fluggesellschaften und rettet dem einen oder anderen Baum das Leben, sie ermöglicht dem geneigten Fluggast (mit ausschliesslich Handgepäck) ein entspanntes Boarden ohne vorheriges Anstehen am Check-In.

::US Online-Hemdenschneider setzt auf intensive Kundenbetreuung

Der Online-Service www.blank-label.com ermöglicht seinen Kunden die aktive Mitgestaltung von Hemden. Das ist nicht neu, wird aber gut umgesetzt. Neu ist die Chat-Box, die sich nach 90 Sekunden automatisch öffnet und die dem Kunden tatsächlich Live-Support während des Einkaufs ermöglicht. Dieser Service fügt sich nahtlos in die konsequente Ausrichtung auf das Kundenerlebnis ein.

Wie ein frühzeitiger Test die E-Banking Kunden einer Grossbank vor einem bizarren Login-Erlebnis bewahrt hat

Im Beispiel einer Grossbank ging es darum, wie ein technisch einwandfreies Produkt beim Kunden völlig versagt und zwar auf allen Kanälen.
Diese Erkenntnis hat nicht nur die Kunden, sondern auch die Bank vor Schaden bewahrt.

Die Bank plante ein neues Login-Verfahren, das eine hohe Sicherheit versprach. Technisch gesehen war das Produkt ausgereift und funktionierte einwandfrei – sofern man es richtig bediente. Doch damit hatten die Kunden im Test so einige Mühe. Niemand konnte sich auf Anhieb einloggen. Die beigelegte Bedienungsanleitung half nur den technisch versierten Nutzern weiter. Die ebenfalls im Test simulierte Hotline konnte in diesem Fall nicht weiterhelfen, da die Probleme bei der Bedienung ohne Sichtkontakt nahezu unlösbar waren. Mit den aus dem Test gewonnen Erkenntnissen konnten die zu erwartenden Kosten durch steigenden Serviceaufwand prognostiziert werden. Neben den monetären Auswirkungen konnte man den Unmutsäusserungen der Probanden entnehmen, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenso die Kundenbeziehung in Mitleidenschaft gezogen worden wäre, hätte man das System eingeführt. Schlussendlich ist das System am Kunden gescheitert und nicht umgekehrt. Eine alternative Lösung hat sich durchgesetzt, die bei den Kunden sehr viel Anklang gefunden hat. Am Ende haben Kunden und Bank profitiert.

Return on CX oder wie sag ich’s meinem Chef?

Diese Frage hören wir immer wieder. Die Leute, die sich mit dem Thema Customer Experience auseinandersetzen, sind sich in der Regel sehr schnell einig. Das Erlebnis des Kunden ist ein wichtiger Baustein für eine langfristige und gute Kundenbeziehung. Produkte und Dienstleistungen am Kunden auszurichten ist danach eine logische Folgerung. Doch die Konsequenz daraus, die Kundensicht in den entsprechenden Projekten mit den geeigneten  Methoden zu berücksichtigen, wird nicht immer gezogen. Die Gründe dafür sind mannigfaltig.

Es gibt also auf der einen Seite Projektmitarbeitende, die ihre Projekte nach den Kunden und deren Bedürfnissen ausrichten wollen, und auf der anderen Seite ein Management, das – häufig weit weg vom Kunden – die Dinge ausschliesslich aus der Firmenoptik betrachtet. Diese Situation haben wir mit einer Management-Gruppe und einer Projektgruppe nachgestellt, die miteinander diskutierten. Aus den zahlreich vorgetragenen Argumenten sollen vier hervorgehoben werden, die unsere Manager besonders überzeugt haben:

1. Die Chance auf Innovationen: zusätzliche Produkte und Dienstleistungen, die aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse über die Kunden entwickelt werden können.

2. Investitionsschutz und Eintrittsbarriere: Produkte und auch Dienstleistungen können heutzutage relative leicht kopiert werden. Eine konsequente Ausrichtung auf das Kundenerlebnis mittels einem System aus Produkten, Dienstleistungen sowie den weiteren Berührungspunkten mit den Kunden ist dagegen nur schwer kopierbar. Als vielzitiertes Beispiel dient Apple. Ein schlichtes Plagiat des iPhones (das es tatsächlich gibt) genügt nicht, um Apple ernsthaft in Bedrägnis zu bringen. Ein so über das Erlebnis besetzter Markt ist nur schwer von einem Konkurrenten anzugreifen.

3. Kostenersparnis: Hier spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Fehlentwicklungen am Kunden vorbei werden verhindert. Entwicklungen können zielgerichteter erfolgen – unnötige Features werden erst gar nicht entwickelt. Kunden werden bereits in der Entwicklung berücksichtigt – daraus resultiert eine höhere Akzeptanz sowie geringere Support-Kosten.

4. Kundenloyalität und Weiterempfehlung: Wenn es ein Unternehmen schafft, seine Kunden nachhaltig zu begeistern und eine tiefere Bindung aufzubauen, da es Bedürfnisse und Motivatoren besser versteht, werden die Kunden es eher weiter empfehlen und eine grössere Loyalität empfinden.

Von Management-Seite wurde quantifizierter Mehrwert gefordert, um eine Abwägung von Aufwand und Nutzen zu ermöglichen. Dieser Wunsch ist verständlich, konnte aber in dieser Simulation aufgrund fehlender Informationen über unser fiktives Unternehmen und der kürze der Zeit nicht geliefert werden.

Dieser Beitrag soll mit dem Zitat eines Teilnehmers enden, der erklärt hat: «Ich habe mich für die Gruppe der Chefs entschieden, weil ich verstehen wollte, warum man sich gegen Kundenzentrierung sperren könnte. Es ist mir nicht gelungen.»

Domino – Das Kundenerlebnis von Kaufprozessen als Hebel für höhere Profitabilität

30. Mai 2010 von Stefan Leuthold | 1 Kommentar
Domino – How Customer Experience Can Tip Everything in Your Business toward Better Financial Performance, Linda Ireland.
Aveus, Saint Paul (MN) – Eigenverlag, 2009.

Bei Google-Books

Executive Summary

Linda Ireland’s Unternehmensberatung Aveus benutzt ein Customer Product bzw. Service Lifecycle Modell, das in sechs Schritten beschreibt, wie Kunden für ein Unternehmen gewonnen und gehalten werden können. Für jeden Schritt fragt die Autorin: Welche Hürden muss ein Unternehmen aus dem Weg räumen, damit sowohl potenzielle als auch bestehende Kunden durch den Lifecycle wandern und Kunden werden – anstatt abzuwandern? Ireland geht davon aus, dass viele Unternehmen sich darauf konzentriert haben, Produkte und Services ihrer Konkurrenten zu kopieren – und dabei das Customer Experience der Kaufprozesse vernachlässigen, obwohl genau damit Wettbewerbsvorteile geschaffen werden können, die nicht so einfach kopiert werden können.

Ireland’s Customer Lifecycle Model als PDF (Englisch)

Struktur des Buchs

  • Die Einführung illustriert den Zusammenhang zwischen Customer Experience und finanziellem Erfolg eines Unternehmens.
  • Kapitel 1 erkärt das Customer Lifecycle Modell, das Aveus (Linda Ireland’s Beratungsunternehmen) in ihren Projekten benutzt.
  • Kapitel 2 bis 7 beleuchten jeden Schritt des Customer Lifecycle Modells und fragen, was ein Unternehmen tun sollte, um das Customer Experience zu verbessern.
  • Kapitel 8 ist eine Art Nachwort.

Wie das Buch Customer Experience beleuchtet

Zu Beginn des Buches definiert Ireland: “Customer Experience ist alles, was passiert und wie sich Kunden dabei fühlen, wenn sie…

  • ein bestimmtes Bedürfnis bemerken,
  • die Optionen verstehen, die dieses Bedürfnis ansprechen,
  • diese Optionen ausprobieren,
  • kaufen,
  • ihr Bedürfnis damit befriedigen,
  • sich zum nächsten Bedürfnis weiterentwickeln.”

Ireland spricht am Anfang von Bedürfnis und benutzt nachher synonym “Problem” und spricht davon, dass das “Problem gelöst” werden muss. Das Kaufverhalten von Kunden wird von ihr also als Problemlöseverhalten verstanden – weshalb diejenigen Unternehmen Wettbewerbsvorteile haben, welche das Problemlöseverhalten am besten unterstützen: Optionen verstehen, ausprobieren, kaufen.

Was man von diesem Buch lernen kann

Das Customer-Experience-Thema wird aus einer organisatorischen Perspektive betrachtet: Unternehmen müssen sich so aufstellen, dass Kunden ihre Produkte und Dienstleistungen einfach verstehen, kaufen und benutzen können. Ireland schreibt, dass es immer schwieriger wird, Produkte und Dienstleistungen als solche zu differenzieren, es sei jedoch einfach und effektiv, das mit der Evaluation und dem Kauf von Produkten und Dienstleistungen verbundene Customer Experience zu verbessern. Ihre Grundannahme ist, dass Kunden bei denjenigen Unternehmen kaufen werden, deren Produkte und Dienstleistungen sie am einfachsten verstehen, ausprobieren und kaufen können (falls ihre Kundenbedürfnisse damit wirklich angesprochen werden).

Ireland gibt viele praktische Tipps aus ihrer Erfahrung mit den zahlreichen Unternehmen, die sie aufgebaut, geführt oder beraten hat:

  • Definieren Sie ein «Target Customer Experience» richten Sie Ihre täglichen Entscheidungen darauf aus. Wenn das angestrebte Customer Experience nicht die täglichen Entscheidungen darüber beeinflusst, wie viele Ressourcen wo und wie investiert werden in der Wertschöpfungskette eines Unternehmens – wodurch lässt sich das Unternehmen sonst leiten?
  • Was Sie für den Kunden erreichen ist wichtiger als was Sie verkaufen. Welches essentielle Problem bzw. welchen Kundenwunsch möchten Sie für die Kunden in Ihrer Zielgruppe adressieren? Hier fängt Customer Experience an: «Weil Kunden keine Produkte oder Dienstleistungen kaufen. Sie kaufen [...] die Erfüllung eines Wunsches. Deshalb wird das Lösen eines Kundenproblems nachhaltigere Erfolge bringen als einfach etwas zu verkaufen.» Wie können die Auslöser des Kundenbedürfnisses gefunden und verstärkt werden?
  • Kunden brauchen zuerst einmal eine erste valable Option, um ihren Kaufprozess starten zu können – versuchen Sie nicht, Ihre Konkurrenz bereits an dieser Stelle auszustechen. Am Anfang des Customer Lifecycle geht es lediglich darum, Aufmerksamkeit der Kunden zu bekommen und unter die Optionen zu gelangen, die aktiv evaluiert werden. Verfolgen Sie deshalb zwei Ziele: Erstens, gestalten Sie Kundeninteraktionen so, dass immer Ereignisse auftreten, die Kunden dazu bringen, Ihr Produkt/Ihre Dienstleistung zu evaluieren. Zweitens, sorgen Sie dafür, dass alle Kunden ausserhalb Ihrer Zielgruppe weiterziehen zu Ihren Konkurrenten (und deren Call-Center belasten, Margen drücken, …).
  • Sorgen Sie in der Evaluationsphase Ihrer Kunden dafür, dass sich diese einfach und klar vorstellen können, wie das Produkt/die Dienstleistung ihr Problem löst. Kunden werden zum Teil ins Detail gehen wollen, um Sicherheit zu gewinnen, dass wirklich alles so ist, wie gewünscht – dies muss ein Unternehmen würdigen und entsprechend reagieren (Zeit und Informationen zur Verfügung stellen, ausprobieren lassen).
  • Finden Sie heraus, wieviel Bequemlichkeit und Kontrolle Ihre Kunden im Kaufprozess möchten – und reagieren Sie entsprechend darauf. Viele Kunden kaufen nicht, weil es zu umständlich ist und das Unternehmen nichts davon verwendet, was es bereits über den einzelnen Kunden weiss.
  • Finden Sie heraus, welche Ereignisse und Emotionen auftreten müssen, damit Ihre Kunden verifizieren können, dass ihr Problem gelöst/ihr Bedürfnis erfüllt ist. Kunden werden sich nach dem Kauf ohnehin über zwei Dinge eine Meinung bilden: Ist mein Problem/Bedürfnis wirklich adressiert worden – und ist nun alles okay? Und hat das Unternehmen gehalten, was es versprochen hat?
  • Sorgen Sie dafür, dass Ihre Kunden ihre Kauf- und Benutzungserlebnisse mit ihrem sozialen Netzwerk teilen können. Konsumenten wollen sich mitteilen und suchen sich die entsprechenden Kanäle dafür – ob Sie das als Unternehmen mitbekommen oder nicht. Wenn Sie hier richtig aufgestellt sind, erfahren Sie als Unternehmen auch, ob die kommunizierten Fakten und Emotionen denjenigen entsprechen, die Sie aus der Branding-Perspektive gerne verbreitet hätten.

Persönliche Bewertung und Kritik

Ich habe das Buch in einem Zug gelesen und manche Stellen angestrichen, weil Ireland viele praktische Tipps gibt, die dabei helfen, Entscheidungs- und Kaufprozesse von Kunden zu verstehen und als Unternehmen darauf zu reagieren.

Leider enthält das Buch über diese Tipps hinaus nichts Neues und hinterlässt eine Spur von Enttäuschung: Seit Theodore Levitt’s Artikeln im Harvard Business Review (einige aus den 1960ern-Jahren) wissen wir, dass Verkaufen und Marketing zwei verschiedene Dinge sind, und das letzteres herausfinden sollte, was Produkte und Dienstleistungen im Leben eines Kunden bewirken sollen, um die Tätigkeiten eines Unternehmens darauf auszurichten. (Einen guten Überblick über Levitt’s Werk bieten der Nachruf der Harvard Business School auf seinen Tod 2006 und eine Suche beim Harvard Business Review.) Ireland bietet hier viel alten Wein in neuen Schläuchen. Auch das Customer Lifecycle Modell ist in dieser Form keine neue Idee, wie man in Kotler’s “Marketing Management” nachlesen kann (zum Beispiel in der 11. Auflage von 2003, Kapitel 7, insbesondere Seiten 184, 202ff. und der Chart auf Seite 204).

Dass keine Quellen zitiert werden, macht mich bei jedem Buch im Business-Kontext etwas misstrauisch. Ein Buch im Eigenverlag herauszugeben erhöht die Glaubwürdigkeit auch nicht – zumal es recht unprofessionell gestaltet ist und wie ein ausgedrucktes Word-File daherkommt.

Ireland definiert Customer Experience so, dass die Definition mit ihrem Customer Lifecycle Modell übereinstimmt. Customer Experience hat deshalb gemäss dieser Definition wenig mit den Kunden und viel mit ihrem Entscheidungs- und Kaufprozess zu tun, was aus meiner Sicht ein komischer Ansatz ist. Zudem bezieht sich Customer Experience in diesem Verständnis zu sehr auf das “hier und jetzt”. Es wäre für mich naheliegend, sich über das “hier und jetzt” hinaus zu fragen: Was bleibt im Gedächtnis einer Kundin zurück, so dass sie beim nächsten Hinweisreiz, der mit einem bestimmten Bedürfnis verbunden ist, diejenigen Assoziationen hervorholt, die sie zurück zu meinem Unternehmen bringen – und nicht zu meiner Konkurrenz? Sich auf die Hürden zu fokussieren und das Gedächtnis der Kundinnen praktisch ausser acht zu lassen – und dies ist natürlich der Ansatz von Ireland, die Kundenverhalten als Problemlöseverhalten versteht – lässt hier meiner Meinung nach zu viele wichtige Faktoren bei Kaufentscheidungen offen. Die Ressourcen eines Unternehmens in Bezug auf den Kaufprozess ganz auf das «hier und jetzt» zu richten, halte ich für eine recht gefährliche Strategie.

Alles in allem ist das Buch für mich also ein guter Beitrag zur Usability von Entscheidungs- und Kaufprozessen, der über die Erkenntnisse aus den 1960er bis 1980er Jahren leider nicht hinausgeht. Es ist keine Grundlage für Unternehmen, die Customer Experience wirklich verstehen und daraus nachhaltige Wettbewerbsvorteile entwickeln wollen.

Empfehlung

Ich empfehle das Buch auf Grund der vielen Tipps in erster Linie Praktikern, die Anregungen brauchen für den Alltag: Welche Fragen muss ich mir stellen, wenn ich den Entscheidungs- und Kaufprozess meiner Kunden möglichst einfach gestalten will?
Ireland’s Customer Lifecycle Model als PDF (Englisch)

Customer Experience – alles Theater. CEN-Xchange im Mai in der bühneS.

07. Mai 2010 von Stimmt AG | 1 Kommentar

CEN-Xchange 10.05 in der bühneSFür den CEN-Xchange im Mai haben wir uns kompetente Unterstützung aus Deutschland eingeladen. Adam Lawrence und Markus Hormess von Work•Play•Experience haben uns in einem spannenden Workshop mit viel Energie und Spass einen Überblick über verschiedene Methoden aus der Theaterwelt gegeben, die sie erfolgreich einsetzen, um Prozesse und Dienstleistungen zu entwickeln oder zu verbessern.

Mit einem guten Gespür für Tempo und Timing – wie wir gelernt haben mit das Wichtigste im Theater – haben die beiden uns auf eine kurze Reise genommen, an deren Anfang ein schweisstreibender Wachrüttler und am Ende eine Szene aus dem Servicealltag stand, die wir iterativ entwickelt und verbessert haben.

Die Grundlage für Grundlage für die Szene war ein Skript, das von den Teilnehmenden entwickelt worden ist. Dazu haben die Teilnehmer in Kleingruppen Kundenerlebnisse ausgetauscht und eine Vorselektion gemacht. Das spannendste Erlebnis wurde in Form eines Storyboards präsentiert und das ergiebigste Erlebnis zur weiteren Bearbeitung ausgewählt. Danach ging es auf die Bühne und zwar im wörtlichen Sinne. Die bühneS hat dazu einen entsprechenden authentischen Rahmen  geboten.
In mehreren Schleifen wurde die Szene geprobt und schrittweise Verbesserungen aus Kundensicht eingefügt. Das spannende dabei war das Motto: nicht reden, sondern machen. Jede Person, die einen Verbesserungsvorschlag hatte, musste diesen direkt in die Szene einbringen. Dazu musste sie die entsprechende Rolle neu besetzen und in der Wiederholung der Szene die Veränderung erlebbar machen. Als weitere Steigerung wurde die Methode Subtext eingeführt. Dabei erhielt jeder Akteur einen Adjutanten, der die Gedanken und Gefühle des Akteurs verbalisiert hat. Mit dieser zusätzlichen Ebene wurden versteckte Botschaften offensichtlich und die Gegenüber hatten die Gelegenheit, auf neue Aspekte einzugehen und so weitere Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Als kleinen Eindruck dieser Übung haben wir hier einen kurzen Szenenmitschnitt auf Video festgehalten:

Nach zwei intensiven, lehrreichen und unterhaltsamen Stunden war unser Ausflug in die Theaterwelt leider auch schon vorbei. Das Publikum, mit Eindrücken und Ideen aufgeladen, konnte die Diskussion in einer nah gelegenen Bar fortsetzen und den Abend langsam ausklingen lassen.

Wir möchten uns an der Stelle nochmals bei allen Beteiligten für die aktive Teilnahme bedanken, insbesondere natürlich bei Adam und Markus. Boom, wow, wow, wow, BOOOOM.

The New Gold Standard – Customer Experience Strategie bei Ritz Carlton

04. Mai 2010 von Lukas Karrer
The New Gold Standard
5 Leadership Principles for Creating a Legendary Customer Experience Courtesy of the Ritz-Carlton Hotel Company
Joseph Michelli
McGrawHill 2008

Bei Google-Books

“The New Gold Standard” beschreibt, wie die Ritz-Carlton Luxushotels eine konsequent auf Customer Experience ausgerichtete Strategie entwarf, diese umsetzte und im Arbeitsalltag verankerte. Anhand von vielen Beispielen wird veranschaulicht, dass Customer Experience kein theoretisches Konstrukt, sondern ein praktisch anwendbarer Ansatz ist, um Kosten zu senken und Umsatz zu steigern.

Die Erfolgsgeschichte des «Besten Hotels der Welt» spricht für sich…

Zusammenfassung des Buches herunterladen (in English, deutsche Version auf Anfrage)

Struktur des Buchs

Das Buch umfasst 284 Seiten in 11 Kapiteln, gegliedert nach den 5 Management-Prinzipien, die der Customer Experience von Ritz-Carlton zugrunde liegen: The Ritz-Carlton Experience

  1. Prinzip 1: Define and refine
    • Communicating core identity and culture
    • Be relevant
  2. Prinzip 2: Empower through trust
    • Select – don’t hire
    • It’s a matter of trust
  3. Prinzip 3: It’s not about you
    • Build a business focused on others
    • Support frontline empathy
  4. Prinzip 4: Deliver wow!
    • Wow! The ultimate guest experience
    • Turn wow into action
  5. Prinzip 5: Leave a lasting footprint
    • Aspire, achieve, teach
    • Sustainability and stewardship

Wie das Buch Customer Experience beleuchtet

Das Buch befasst sich mit der Definition einer Customer Experience Strategie für Unternehmen und deren Verankerung bei den Mitarbeitenden im Unternehmen:

  • Das Customer Experience Credo von Ritz-Carlton im Taschenformat für jeden Mitarbeitenden – Wofür steht Ritz-Carlton. ( Seite 22 )
  • Daily-Lineup, um Kundenfokus bei jedem Mitarbeitenden zu verankern – Öffentliches Loben von herausragenden Beispielen. ( Seite 38 )
  • 12 Service-Values – Mit Stolz für und bei Ritz-Carlton. ( Seite 63 )
  • Mitarbeitende werden selektiert, nicht angestellt – «Ladies and Gentlemen serving Ladies and Gentlemen» ( Seite 73 )
  • Ein neuer Angestellte nimmt keine Tätigkeit auf, bevor er/sie nicht die Service Values vollständig versteht und sich restlos zu diesen verpflichten kann. ( Seite 81 )
  • Die Employee Promise erwähnt klar und deutlich, was Mitarbeitende vom Arbeitgeber erwarten dürfen, aber auch was Ritz Carlton als Gegenleistung erwartet. ( Seite 99 )
  • Ein Blanko-Check von täglich $2000 pro Mitarbeitenden, um das Kundenerlebnis zu prägen – Empowerment durch Vertrauen. ( Seite 110 )
  • Messgrösse Kunden-Engagement anstelle von Kundenzufriedenheit – «I can’t imagine a world without Ritz-Carlton». ( Seite 131 )
  • Fehler passieren. Werden Fehler schnell und unbürokratisch gelöst, fördert dies die Loyalität der Kunden mehr, als wenn keine Fehler passieren. ( Seite 155 )
  • Gemessenes Kunden-Engagement als Zielgrösse fördert internen Wettbewerb und identifiziert “Underperformer”. ( Seite 160 )
  • Auf persönliche Umstände abgestimmte Überraschungen anstelle von 0815-Geschenken – Deliver Wow! ( Seite 165 )
  • Aufgrund der Wahrnehmung des Brands erwarten Kunden, dass ein Unternehmen gewisse zusätzliche Produkte verkauft – Brand Extension aus Sicht der Kunden. ( Seite 207 )

Bewertung und Empfehlung

Das Buch richtet sich an den Praktiker, der Ideen und Ansatzpunkte für die Umsetzung von Customer Experience in seinem eigenen Unternehmen sucht. Obschon die Beispiele aus einem Luxushotel stammen, sind die allermeisten Ansatzpunkte in leicht abgeänderter Form auch für andere Industrien anwendbar. Dies macht das Buch äusserst lesenswert und ist deshalb jedem Manager mit Touch-Point Verantwortung wärmstens zu empfehlen.

Zusammenfasung des Buches downloaden (in English, Deutsche Version auf Anfrage)

Avieta Zgraggen verstärkt Stimmt

14. April 2010 von Stimmt AG | 3 Kommentare
Avieta Zgraggen

Avieta Zgraggen

Wir freuen uns über neue Verstärkung. Avieta Zgraggen unterstützt das Partnerteam bei Administration und Organisation von Stimmt.

Als Organisationstalent hat Avieta mit Schwung und Elan über vier Jahre den Aufbau von Google Schweiz begleitet und später im Finanzdienstleistungssektor in den Bereichen HR und Finanzen gewirkt. Besonders gerne organisiert sie Events, was wir hoffentlich alle dieses Jahr noch zu spüren bekommen.

Wir sind gespannt auf den frischen Wind und wünschen Avieta viel Spass im Team.

Jeff Bezos und Versicherungen – CEN-XChange April 2010

07. April 2010 von Glenn Oberholzer | 4 Kommentare
Jeff Bezos, CEO Amazon

Jeff Bezos, CEO Amazon

Jeff Bezos, der CEO von Amazon, war bei Stimmt im Keller – in Gedanken. Seine Zitate sind Leitplanken im Stimmt Customer Experience Talk, den Helmut am CEN-XChange uraufgeführt hat. Helmut zeigte überzeugend auf, warum Customer Experience und der Fokus auf die Kunden ein Wettbewerbsvorteil ist, dass sich ein Kundenfokus rechnet und wie Unternehmen weltweit und in der Schweiz (Swisscom, Migros, BMW Finanzdienstleistungen und andere) diesen Wettbewerbsvorteil für sich nutzen. Er gab Anstösse für erste Schritte, die helfen die «Geisteshaltung Customer Experience» in jedem Unternehmen zu verankern. Den Customer Experience Talk halten wir gerne auch bei Ihnen im Unternehmen. Setzen Sie sich mit Helmut Kazmaier in Verbindung.

Danach erzählte uns Fulvio Elia von axa-Winterthur wie er als Produktmanager Sachversicherungen KMU ein Produkt radikal vereinfachen und danach über ein Fine-Tuning ein für Kunden optimaleres Produkt entstehen konnte. Ein schöner Case, der zeigt, wie auch bottom-up einiges in Sachen Kundenorientierung gemacht werden kann.

Die Diskussionen kreisten vor allem um die Themen:

  • Business Nutzen von Customer Experience (ja, es ist bewiesen)
  • Customer Experience ist nicht nur Customer Service, sondern ein ganzheitlicher Ansatz
  • Incentivierung des Vertriebs: Leider oftmals immer noch produktezentriert, nicht kundenzentriert.

Vielen Dank den 15 Customer-Experience Enthusiasten, die den Weg an die Korneliusstrasse gefunden haben.

Die CX-Fundstücke dieses Mal:

«Denken Sie endlich XXL» , das neue Buch von Customer Experience Guru Bernd Schmitt, empfohlen von Beat Aebischer.
Der Artikel «The Outside in Approach to Customer Service» von Ranjay Gulati empfohlen von Glenn Oberholzer. Vom gleichen Autor den Podcast und sein neues Buch «Reorganize for Resilience – Putting the Customer at the Center of your Business»